Was kostet Lebensqualität oder Wish it, dream it, aber tust du es dann auch?

Die Vorstellung, wie es laufen soll, ist klar wie ein perfekter Sommermorgen: Aufstehen, in Ruhe fertig machen, frühstücken, eine Runde mit den Rabauken, zur Arbeit fahren, nachmittags nach Hause, raus mit den Rabauken, den Arbeits- und Alltag hinter sich lassen, die Zeit zusammen genießen, den Abend zur freien Gestaltung und Verfügung.

Die Realität sieht anders aus – stundenlange Staus auf dem Weg von und zur Arbeitsstätte fressen die kostbare freie Zeit, die Rabauken kommen zu kurz. Alternativen gibt es kaum, Home Office ist nur eine Notlösung, die Privatprozesse bereits zeitlich optimiert, eine verkehrsgünstige Hundebetreuung nicht existent und ein Umzug mit vier Tieren? Da ist teuer wahrscheinlich das geringste Problem. Die Situation steht ebenso ratlos im Stau, hat sich verfahren und scheint aussichtslos.

Wenn es mir wirklich wichtig wäre…

Ein Kaffedate mit der Nachbarin und ein achtlos selbst dahin gesagter Satz bringen die Ausweglosigkeit ins Wanken und es hallt noch tagelang nach in meinem Kopf: „Wenn es mir wirklich wichtig wäre, würde ich viel mehr darum kämpfen.“ Es ist mir doch wirklich wichtig! Warum ändere ich dann nichts?

Both

Gedankenspiele

Der nächste Endlosstau lässt nicht lange auf sich warten und gibt mir Zeit, die Gedanken schweifen zu lassen. Lebensqualität sieht für jeden anders aus. Bei manchen ist es Geld, bei manchen ein großes Zuhause und wertvolle Dinge, die Lebensqualität ausmachen. Was mir fehlt, ist Zeit. Schon eine ganze Weile habe ich immer und immer wieder das Gefühl, nicht ausreichend Zeit zu haben für das, was die Welt so bietet. Rezepte ausprobieren, jemanden mit einem Kuchen, einem liebevoll ausgesuchten Geschenk oder gar einer selbst gemalten Karte überraschen? Keine Zeit. Mal wieder etwas malen? Gar nicht dran zu denken, ohne die Nacht durch zu machen. Ausschlafen, um dann mit den Rabauken ohne Blick auf die Uhr mal die Umgebung zu erkunden? Unmöglich, sonst schaffe ich mein Pensum nicht. Unter der Woche an Vorträgen, Seminaren, Kinoabenden, Restaurantbesuchen teilnehmen? Niemals nie. Soll es das sein? Klarer kann die Antwort nicht ausfallen: Natürlich nicht.

Handmade

Wenn sich die anderen Parameter nicht verändern lassen, gibt es nur noch eine Lösung: Reduktion der Arbeitszeit. Genau in dem Umfang, in dem sich meine Bedürfnisse ausbalancieren. Der Gedanke bleibt hängen. Just in diesem Moment fragt eine liebe Bekannte über das Handy an, ob ich Interesse daran hätte, Massagekurse für Hundehalter anzubieten. Natürlich! In der jetzigen Situation jedoch? – Für mich nur Bestärker der gerade aufgezogenen Gedanken. Doch schon kriecht das erste Aber aus dem Hinterhalt: Wer soll denn das bezahlen? Kannst du dir das leisten? Was ist mit den anderen Zielen, Plänen? Dem Reisen? Dem Van? Der Auszeit?

Heute werden die Gedanken nicht vertagt. Stattdessen in der Mittagspause die ersten Berechnungen vorgenommen. Die Finanzen von allen Seiten beleuchtet und nach Einsparpotential durchsucht.

Wofür bin ich bereit?

Ganz neue Fragen tun sich auf: Was bin ich bereit, aufzugeben? Auf wie viel kann und will ich verzichten? Für Zeit mit den Rabauken, für Zeit für Lebensqualität? Je mehr die Gedanken wandern, umso mehr zeigt sich, dass die wahren Ängste viel tiefer liegen: Wird mich meine Veränderung so glücklich machen, dass ich mich nicht durch Verzicht dauerhaft eingeschränkt sehe?

Muss ich mich überhaupt eingeschränkt sehen? Im letzten Jahr ist viel passiert. Auf der Wohnmobilreise habe ich gemerkt, mit wie wenig man gut zurecht kommt und sehr zufrieden ist. Schon vorher habe ich mich mit Capsule Wardrobe, Konmari und Minimalismus beschäftigt (wem das alles nichts sagt, der hebe mal bitte die Hand – ich berichte gerne mehr darüber!). Erleichternd war es, nicht mehr im Überfluss zu leben, ein ganz neues Gefühl, Gegenstände völlig anders wert zu schätzen und zu nutzen. Sind das nicht die idealen Wegbereiter?

Flying

Was werden die Leute denken?

Ist es nicht verrückt, die Arbeitszeit zu reduzieren, um Zeit mit den Rabauken zu verbringen? Diese Frage hat sich so oder in abgewandelter Form wahrscheinlich jeder Hundefreund und -besitzer schon einmal gestellt. Sei es nun die Absage einer Verabredung oder eines Urlaubs oder die Selbständigkeit im Hundeberuf. Ich werde die Antwort nun hier und jetzt laut aussprechen: Nein, ist es nicht. Die Rabauken sind und waren für mich schon immer sehr wichtig. Offensichtlich so wichtig, dass andere Dinge dafür weichen müssen. Ich liebe meinen Job. Ich habe sehr viel dafür getan. Auch er ist mir wirklich wichtig, die Rabauken sollen jedoch nicht hinten runter fallen. Die Zeit mit ihnen ist sowieso schon viel zu kurz. Und deswegen ist es nicht verrückt. So einfach ist es.

Und die Verantwortung?

Das ist der merkwürdigste Gedanke von allen. Schon seit fast sechs Jahren lebe ich mit beiden Rabauken zusammen. Seit etwas mehr als vier Jahren gehen sie regelmäßig in eine HuTa. Nicht jeden Tag, aber regelmäßig. Eine große Unterstützung. Amber kann frei laufen und toben, Buddy im Sommer schwimmen und sonst tun und lassen, was er mag. Fällt die HuTa nun weg, liegt die ganze Verantwortung bei mir. Jeden Tag. Immer. Keine ausgefallenen Spaziergänge, wenn es regnet, keine kurzen Runden, „denn sie dürfen ja eh gleich toben“. Für den Freilauf bin dann ich verantwortlich. Vielleicht ändern sich dann aber auch die jetzt noch vorhandenen Problemchen. Vielleicht entwickelt sich eine tiefere Bindung zwischen uns. Vielleicht ergeben sich ganz neue Begegnungen, wenn ich nun wieder häufiger auf andere Hundebesitzer zugehen muss. Vielleicht, vielleicht…

Endgültig beantworten können wird mir das im Vornherein niemand. Ich schätze, da hilft nur: Ausprobieren. Einen großen Schritt voran.

Ein wenig Mut kratze ich mir dennoch erst noch zusammen. Rolle die alten und neuen Gedanken zu dem Thema hin und her. Verabschiede mich in Ruhe von dem ein oder anderen Traum, den ich erst einmal nicht verwirklichen können werde.

Aber freue mich vor allem auf das, was kommt. Auf einfach Zeit für sein.

EinfachZeitFuerUns

Lasst es euch gut gehen. Und lasst mich gerne wissen, ob ihr auch schon einmal einen solchen Schritt gewagt habt.

Sie

22 Gedanken zu “Was kostet Lebensqualität oder Wish it, dream it, aber tust du es dann auch?

  1. labradorbran schreibt:

    Sehr interessanter Beitrag. Danke dafür!
    Nur so als Impuls – ich habe Ende 2012 nicht nur Arbeitszeit verkürzt, sondern komplett gekündigt, Ende 2012, als mein Hund einzog. Es war nicht er allein, der mich dazu bewogen hat, aber ein entscheidender Faktor – da nämlich, als ich merkte, mein Hund war mehr der von allen möglichen anderen als von mir. Gekündigt, einfach so und ohne was Neues zu haben. Dann in Ruhe überlegt, was ich jetzt möchte, was beides vereint, Zeit für das und die, die mir wichtig sind und eine Arbeit, die sie gibt.
    Seitdem bin ich nebenher freiberuflich und immer wieder zwischendurch auch angestellt, dreiviertel oder halb oder auch mal ganz. Ganz häufig ist mein Hund auch auf der Arbeit willkommen.

    Ob dich die Veränderung glücklich genug macht? Damit er den ‚Verzicht‘ aufwiegt, ja vielleicht.
    Aber da wird anderes ‚Unglücklichsein‘ sein, denke ich. Denn wenn man etwas verändert- da kommt häufig so ein Gefühl nach, das sagt ‚Super, ich bin jetzt glücklich -er, aber xyz möchte ich jetzt auch noch verändern.
    Ich habe meinen Entschluss zu kündigen nicht eine Sekunde bereut, denn dadurch haben sich sehr viele Dinge auch noch aufgetan, die ich gerne verändern wollte. Nur der Blickwinkel ändert sich, wenn man sieht, die Veränderung war es wert und die nächste Veränderung macht es einfach noch besser, die erste Veränderung war der erste Schritt zu sehr vielen.
    LG, T.

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    • buddyschreibt schreibt:

      Danke dir für den interessanten Einblick. In den letzten Jahren habe ich bereits einiges verändert, und wie du sagst – ganz gepasst hat es noch nicht. Vielleicht reicht der nächste Schritt ja aus und wenn nicht, bin ich gespannt auf das, was noch kommt!

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  2. wholelottarosie schreibt:

    Die Antwort wird von selbst kommen.
    Da spreche ich aus eigener Erfahrung.
    Nachdem ich eine große Entscheidung für mich in Worte gefasst, das Für-und- Wider gegenüber gestellt und immer wieder darüber nachgedacht hatte, kristallisierte sich allmählich der Weg heraus.
    Und eines Morgens wachte ich auf und die Entscheidung war da.
    Und sie war gut und richtig.

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  3. Schätersky und Frauchen schreibt:

    Mehr Hundezeit und weniger Arbeitszeit, das finde ich alles andere als verrückt. Irgendwann habe ich das auch vor und bin auch bereit, dafür finanzielle Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Nur momentan muss mein Studium noch fertig werden. Dass ich kaum Zeit für etwas anderes als Hunde und Uni habe, macht mir nichts aus, weil ich beides gerne mache. 🙂 Bin gespannt, was ihr berichten werdet.
    Liebe Grüße,
    Nora, die Hand hebend übrigens

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  4. Socke-nHalterin schreibt:

    Ich denke, dass jeder in seinem Leben an eine Punkt kommt, wo er genau diese Gedanken hat. Ich kann Dich lso so gut verstehen. Auch ich frage mich, ob es sinnvoll ist, den ganzen Tag zu arbeiten und die wunderbare Zeit mit Socke und auch das eigene Leben so zu vernachlässigen. Ich gebe aber zu, dass ich im Alter gut versorgt sein möchte und Angst davor habe, dass ich mir die notwendige Hilfe nicht leisten kann. Inoweit schiebe ich den Gedanken – auch gerne im Stau stehend – wieder von mir weg…

    Viele vorweihnachtliche Grüße
    Sabine mit Socke

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    • buddyschreibt schreibt:

      Definitiv ein wichtiger Punkt und auch ein großer bei meiner Rechnerei! Auch hier ist für mich wieder wichtig – wo hält sich die Waage zwischen später und heute? Ich gehöre zu den Menschen, die eher heute wagen als später zu bereuen, das allerdings nicht kopflos. Ich merke daher schon, wohin mein Bauch mich eher zieht. 🙂 Alles Liebe an euch und die wunderbare Socke! Habt eine tolle Vorweihnachtszeit!

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  5. Julia schreibt:

    Ich kann verstehen was du meinst. Ich studiere, arbeite Teilzeit – 28 Stunden – und dann ist da noch Odin und bald ein zweiter Hund. Einen Verein haben wir auch noch. Vor ein paar Tagen habe ich beschlossen, mir, sobald ich den Bachelor in der Tasche habe, erstmal ein Jahr Pause zu gönnen. Einfach für mich. Nicht arbeiten zu gehen ist natürlich nicht möglich, aber ich werde das Master Studium ein Jahr aufschieben. Ein Jahr lang nur mal 28 Stunden pro Woche arbeiten und sonst nichts. Mehr Zeit mit dem Bär verbringen zu können, regelmäßig einfach raus zu gehen, ohne in einer Stunde wieder zu Hause sein zu müssen. Wobei ich jetzt nicht das Gefühl habe, dass er zu kurz kommt, da mein Mann auch viel mit ihm macht und er durch unsere unterschiedlichen Arbeitszeiten meist nur den halben Tag alleine ist.
    Man sagt ja weniger ist oft mehr 😉
    Liebe Grüße,
    Julia und Odin

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    • buddyschreibt schreibt:

      Das klingt nach einem guten Plan mit der Pause. Vielleicht ist genau deswegen auch mein Wunsch nach mehr Zeit für Freizeit so groß gerade – ich habe zuerst auch nebenbei studiert, dann direkt im Anschluss, noch vor der letzten Prüfung, eine Ausbildung zur Hundephysio – natürlich nebenberuflich – dran gehängt. Ich musste mich erst dran gewöhnen, etwas runter zu fahren, aber jetzt, wo die gerade liebgewonnene Zeit durchs Fahren wegfällt, möchte ich sie nicht hergeben. Wir wünschen euch alles Gute!

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  6. ShivaWuschl schreibt:

    Ich kann dich gut verstehen. Vor mittlerweile 10 Jahren habe ich eine sehr gute Stelle gekündigt, um nicht jeden Tag 3 Stunden reine Fahrtzeit zu haben… Rocky war meist bei meinen Eltern, selten kam er mit.
    Die nächste Stelle war nicht besser und es kam immer was wichtiges kurz vor Feierabend und ich hing bis in die Puppen im Büro, da bin ich schnell gegangen. Seit mittlerweile 6 1/2 Jahren arbeite ich jetzt Vollzeit beim Amtsgericht in Villingen. Ich habe meine eigene Wohnung aufgegeben und wohne seit etwa 2 Jahren in der Einliegerwohnung im Haus meiner Eltern. Shiva ist tagsüber Enkelhund und meine gesamte Freizeit verbringen wir zusammen. Es gibt wenige Ausnahmen.
    Die Entscheidung Stuttgart zu verlassen und wieder in die Heimat zu ziehen, war die beste meines Lebens.

    Grüßle

    Sandra & Shiva

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    • buddyschreibt schreibt:

      Das Problem an der Fahrtzeit ist wirklich einfach, dass sie so sinnlos verschenkt ist – gerade, wenn man so eine tolle Alternative wie einen Rabauken zuhause hat. Ich liebe meinen Job und möchte ihn ungern aufgeben. Ein Wechsel würde auch ein komplettes Aufgeben bedeuten – das will ich in keinem Fall. Ich denke, dass die Reduktion eine gute Option sein könnte, beides unter einen Hut zu bringen. Liebe Grüße von uns an euch!

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  7. Barbara Homolka schreibt:

    Interessanter Beitrag, der mir in Vielem aus dem Herzen spricht. Wir hatten vor etwas mehr als einem Jahr das Glück, alle unsere Träume auf einen Schlag verwirklichen zu können: Wir haben Deutschland verlassen, leben am Meer, ich arbeite nur noch freiberuflich (und mein Mann ist in Rente). Wir haben Zeit für die Rabauken und die Gegend – und die Zeit rast noch schneller als vorher, als der Alltag von morgens bis abends durchgeplant war. Klar, ich kann jetzt auch einfach mal einfach alles liegen lassen, wenn es mir danach ist (bleibt’s dann auch 🙂 ), aber insgesamt frage ich mich schon, wie ich Hundeplatz, Gassi, sonstige Hobbys und Haushalt gewuppt habe, als ich noch von 9 to 5 im Büro war. Aber trotz der rennenden Zeit (ist wirklich schon wieder Weihnachten) ist die Lebensqualität natürlich um 300 Prozent gestiegen (auch für die Hunde)!
    Viele Grüße aus der Normandie
    Barbara mit Ben & Idgie

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    • buddyschreibt schreibt:

      Liebe Barbara, das klingt wundervoll! Wir haben selbst eine Weile im Ausland am Meer gelebt und ich vermisse es bis heute. Am Wasser zu sein steigert meines Erachtens die Lebensqualität um ein Vielfaches. Ich wünsche euch, dass alles weiter so gut läuft und werde deine Erfahrung auf jeden Fall bei aller Entscheidung im Hinterkopf behalten! Alles Liebe für euch und eine schöne Vorweihnachtszeit (spätestens mit dem Schnee letztes Wochenende ist das Bewusstsein, dass wir wirklich so weit sind, bei uns angekommen 🙂 )
      Kerstin, Buddy und Amber

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  8. Stephie von The Pell-Mell Pack schreibt:

    Ich kann nur aus vollem Herzen ja zu mehr Freizeit mit den Rabauken sagen, wenn es finanziell darstellbar ist.
    Wir sind ja hier der double-income-no-kids Haushalt und da fällt vieles leichter.
    Aber ich habe nie zurück geblickt auf die viel zu volle Woche. Kleiner Arbeitgeber, viel Gestaltungsmöglichkeit, keine Überstunden mehr, Teilzeit und 10 Min. mit dem Auto entfernt. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
    Herzliche Grüße
    Stephie

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