Nissum Fjord oder Haus voll Glück

Moment? Fehlt hier nicht noch was? Vor lauter Enttäuschung über die ins Wasser gefallene Reise ins Baltikum und dem großen C in unser aller Leben habe ich eines völlig unter den Tisch fallen lassen: Die wunderbaren ersten beiden Wochen der Auszeit in unserem Traumhaus in Dänemark.

Zu Beginn des Time Outs wollte ich einen Ort, an dem ich garantiert gezwungen wäre, abzuschalten. Hochgeschraubt auf ein Level, von dem ich nicht mehr einfach so herunter klettern konnte, brauchte ich eine Umgebung, die mir die Hand reichte. Mich durchatmen ließ. Etwas gewohnte Sicherheit gab, so dass ich nicht erst anfangen müsste, groß zu entdecken. Einfach ankommen konnte. Und Meer. Viel Meer.

So entschied ich mich entgegen alter Gewohnheit für Bekanntes und fand mich auf der Website des dänischen Ferienhausanbieters wieder.

Etwas weiter nördlich als sonst, nämlich am Nissum Fjord, wartete ein kleines Holzhäuschen mit Kamin und Tiny House-Flair darauf, von mir entdeckt zu werden. Mein Bauch kribbelte. Kurz meldeten sich Zweifel, immerhin müsste ich die ganzen 8 Stunden Fahrt alleine auf mich nehmen, und das auch noch in der Nacht von Freitag auf Samstag nach mehreren stressigen Arbeitsmonaten.

Die Aussicht des Hauses und seine Einrichtung gefielen mir jedoch so gut, dass die zusätzliche Fahrtzeit schnell vergessen war. Schließlich hatte ich zwei Wochen, mich zu erholen und auf der Heimfahrt würde ich bei lieben Freunden in Hamburg Pause machen. Die Buchung war schnell erledigt und die Vorfreude riesig.

Als ich kurz vor der Anreise Freunden das Häuschen zeigen wollte, der große Schock: „wird renoviert“ prangte da in großen Lettern über den Bildern der Einrichtung, an die ich doch bereits mein Herz verloren hatte. Sie würden doch nicht etwa alles umwandeln in das helle Holz, das ich in den anderen Häusern überall gesehen hatte?

Ich kann euch beruhigen – falls das überhaupt möglich war, haben die Besitzer des Häuschens es geschafft, mit der neuen Einrichtung noch mehr meinen Geschmack zu treffen. Hätte ich gekonnt, hätte ich das gemütliche kleine Zuhause auf einen Hänger gepackt und mit uns überall dorthin genommen, wo es uns eben so hin verschlägt.

So waren dann auch der Anreisestress und wilde Sturm schnell vergessen, als ich mein treues Reisegefährt in der Auffahrt geparkt hatte und im Schein der kleinen Lampe neben der Haustür unser temporäres Heim sichtbar wurde.

Ich holte meine beiden Rabauken und das Gepäck aus dem Auto und gemeinsam erkundeten wir jede Ecke. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, das Bauchkribbeln meldete sich sofort zurück und seit langem kroch ich einfach nur glücklich in die kleine Nische, die ich als mein Schlafzimmer auserkoren hatte und schlief mich aus.

Den Sonnenaufgang am nächsten Morgen habe ich zwar gerade verpasst, die Aussicht aus meinem kleinen Eck war dennoch nicht zu verachten. Ich stand auf, machte Kaffee, öffnete die Terrassentür und spazierte eine kleine Runde mit den Rabauken durch den Garten. Was für ein herrliches Gefühl, nichts und niemand um uns herum, Blick auf den Fjord und ein Kaffee in der Hand.

Auf unserem ersten Erkundungsspaziergang durch die neue Umgebung flippte Amber völlig aus. Mein Herz sprang, als ich sah, wie sie von einem Busch zum nächsten tänzelte, die Augen schloss, den Wind in die Nase reckte und einfach nicht genug kriegen konnte.

Wir liefen zum kleinen Hafen an der Ecke und ich verschaffte mir einen ersten Überblick über die Husby Klitplantage, die wir über die nächsten Tage erkunden wollten.

Im Supermarkt deckte ich mich mit den wichtigsten Lebensmitteln ein, organisierte Feuerholz und das, was auf keinen Fall fehlen darf: Zimtschnecken! Wieder zurück im Haus zündete ich den Kamin an und wir machten es uns gemeinsam gemütlich.

Als ich Buddy schließlich so im Kringel vorm Kamin zusammen gerollt sah, wurde eines schnell deutlich: Er würde keine Roadtrips im Zelt mehr mit mir machen können, zumindest nicht, wenn die Temperaturen nicht sommerlich wären.

Ich war froh, das Ferienhaus gewählt zu haben, schrieb meine Erkenntnis ins Logbuch und begann, für unsere anstehende Baltikum-Reise schon einmal Alternativen zu recherchieren.

Das Tempo für die kommenden Tage war so auch vorgegeben, und ich war dankbar für den Hundewagen, den ich kurz vor der Reise noch über ein Kleinanzeigenportal erstanden hatte.

Hundeskov

Auf unserem Weg ins Haus waren wir an einem Hundewald vorbei gekommen. In diesen extra eingezäunten Gebieten dürfen Hunde frei laufen. Da wir auch zuhause noch nie in einem solchen Freilaufgebiet gewesen waren, wollte der zuerst von uns entdeckt werden.

Kaum aus dem Wagen gestiegen, machte sich am Eingang des Waldes ein strenger Geruch bemerkbar, der mich ein wenig abschreckte. Ich entschied, es trotzdem zu probieren und öffnete das schwere Holztor. Der strenge Geruch kam aus der Picknickecke, die wohl der ein oder andere Hundebesucher schon als seine erkoren und entsprechend markiert hatte. Essen wollte ich da nicht mehr.

Amber jedoch war nicht mehr zu halten. Sie flitze begeistert über Stock und Stein, schnüffelte, sprang und raste herum. Ihren Geschmack hatte ich getroffen. Aber auch Buddy erkundete und ließ sich sogar zu einer Runde Rasen überreden. Läuft man die Spazierwege im Gelände entlang, so kann man hier ungefähr 20 Minuten verbringen.

Da die Runde nur so kurz war, machten wir uns anschließend noch auf den Weg zum Strand.

Viel zu lange schon hatten wir das Meer auf uns warten lassen! Die beiden spielten nach Herzenslust, weit und breit war keine andere Menschen- und Hundeseele zu sehen und so genossen wir die Zeit am Wasser fast wie früher und völlig unbeschwert.

Husby Klitplantage

Am nächsten Morgen machten wir uns auf, die Husby Klitplantage zu erkunden. 15 km rund um den Fjord waren ausgeschrieben – mittlerweile meistens zu viel für Buddy. Nun hatte das Adventure-Mobil seinen ersten Einsatz.

Ohne Karte und leider auch ohne zweiten Handy-Akku machten wir uns auf den Weg. Zuerst ließ ich Buddy neben dem Wagen laufen und wir genossen die ganz neuen Eindrücke und Aussichten auf den Nissum Fjord.

Nach einigen Kilometern entdeckten wir einen der für Dänemark typischen Verkaufsstände für Feuerholz an einem Haus und so wanderten zwei Säcke davon ebenfalls in unser Abenteuermobil. Der Weg war bisher flach und breit gewesen und so erwartete ich keine großen Hindernisse.

Nach weiteren zwei Kilometern erreichten wir Sandholm Havn, einen winzig kleinen Hafen mit Holzhäusern, an denen wir unsere erste Pause machten. 

Von dort ging es immer am Wasser entlang, der Weg wurde schmaler und uneben und ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Das Abenteuermobil hielt wacker mit.

Gerade als die Wellen uns schon fast um Füsse und Pfoten spülten, ich mich an unseren Ausflug in den Lahemaa Nationalpark in Estland erinnert fühlte und auf unsere bevorstehende Reise freute, gerade dann wurde ich abrupt in die Wirklichkeit zurück geholt. Der  Weg war zu Ende, eine steile Treppe zog sich über mehrere Meter den Berg hinauf. Wie sollte ich den Wagen dort bloß hinauf bugsieren? Und dazu noch das schwere Holz!

Neben der Treppe entdeckte ich eine Fahrradrinne. Ich stellte das Vorderrad des Abenteuermobils fest, die Rabauken sortierten sich seitlich ein und tatsächlich erklommen wir so rückwärts Schritt für Schritt das nicht enden wollende Hindernis. Die nächste dänische Leckerei hatten wir uns definitiv verdient! 

Insgesamt waren wir nun schon fast 10 km unterwegs, befanden uns aber gemäß meiner Handy-App gerade erst auf der Hälfte der Strecke. Trotz Tierisch in Fahrt’s Warnung hatte ich mir vorher keine Wanderkarte des Gebiets besorgt – ein großer Fehler, zeigte der Akku meines mittlerweile in die Jahre gekommenen Handys doch nur noch 11 Prozent.

Ein Tipp, den ich erst auf Wanderungen danach gelernt habe: Im Flugmodus funktionieren die typischen Wanderapps noch immer, das Telefon braucht jedoch nicht so viel Akku.

Nachdem wir die steile Treppe erklommen hatten, entschloss ich mich also, nicht mehr dem ausgeschilderten Weg zu folgen, sondern mich aller schönen Wege zum Trotz auf den Rückweg zu machen. Ich hielt kurz an einem Supermarkt, kaufte die obligatorische Zimtschnecke und da es bereits dunkel wurde, schob ich Buddy im Wagen an der Landstraße entlang, während Amber weiterhin als perfekte Wagenbegleitung glänzte und nebenher lief.

Zu meiner Überraschung wurden wir auf dem gesamten Weg weder von Autofahrern bedrängt, noch genervt angehupt. Nach knappen 16 km waren wir wieder an unserem kleinen Häuschen angelangt und kuschelten uns gemeinsam vor den Kamin.

Von der verzweifelten Suche nach Kaffee, Ausflügen nach Thorsminde und dem Sturm erzählen wir euch beim nächsten Mal!

Lasst es euch gut gehen,

Kerstin mit Buddy und Amber

 

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