Raising the bar oder Wandern auf der Struffeltroute

Urlaub und die Nase voll von immer den gleichen Wegen – was liegt da näher, als sich nach schönen neuen Wanderungen umzuschauen. Schon immer auf meiner To-Do-Liste stand die Struffeltroute, seit ich sie bei Kalte Schnauze auf dem Blog gesehen hatte. Die Eifel ist nicht weit zu fahren, eine solche Wanderung also durchaus an einem Tagesausflug machbar.

An besagtem Tag hatte ich vielleicht dennoch ein wenig zu lang herum getrödelt, konnte mich nicht richtig entscheiden, ob ich wirklich fahren sollte oder nicht. Gegen 11.30 Uhr machten wir uns doch noch auf den Weg, Rucksack, Kamera und Sonnenschein im Gepäck. Bereits auf der Hälfte der Strecke zogen dunkelgraue Wolken auf. Wie ein Anfänger hatte ich den Satz „Weil der Struffeltkopf 450 Meter hoch ist und damit die Umgebung um 100 Meter überragt, regnen sich Wolken, die aus Westen kommen, dort regelmäßig ab.“ einfach überlesen und bei dem herrlichen Sonnenschein in unserem Ort sämtliche regenabweisende Kleidung einfach zuhause gelassen. Aber umkehren? Nachdem ich mich endlich aufgemacht hatte? Wer das erwartet, kennt mich schlecht. Auf der Rücksitzbank thronte noch meine Wollmütze aus den letzten Ausläufern des Winters noch wenige Tage vorher, in Kombination mit meiner Daunenweste und dem Wanderoberteil sollte es das tun.

Starten wollten wir die Runde an der Trinkwasseraufbereitungsanlage in Roetgen. Dort gibt es auch einen kleinen Parkplatz, auf dem ich mein Auto parken wollte. Kurz vor der Abfahrt zur Anlage war jedoch die Zufahrtsstraße gesperrt. Da mein Navi nicht sehr flexibel ist, was solche Umleitungen angeht, bin ich erst einige Male im Kreis gefahren und bei all der Sucherei sogar geblitzt worden, bis ich festgestellt habe, dass der Weg zur Anlage trotzdem frei war. Die Stimmung war bereits im Keller, als ich feststellte, dass ich überhaupt keinen Handyempfang mehr und vergessen hatte, die Karte auch offline zur Verfügung zu stellen. Als ich mir dann auch noch den Mund am zum Trost eingeschenkten Tee aus der Thermoskanne verbrannte, während es draußen in Strömen goß, war die Laune endgültig am Tiefpunkt und ich überlegte tatsächlich, einfach wieder nach Hause zu fahren.

Was für ein Glück habe ich das nicht getan! Mit der Regenschutzwollbommelmütze auf dem Kopf ging es los, zuerst durch genau den Ort, den ich vorher in meiner Irrfahrt schon ausführlich besichtigt hatte, auf den Wanderweg über die erste der versprochenen Brücken. Es war menschenleer und sofort löste sich all der Ärger in Luft auf. Gedanklich war ich noch immer bei den Steindreiecken, die ich eben gesehen hatte. Erst bei der Recherche für diesen Artikel lernte ich, dass es sich hierbei um den Westwall, einen Teil der auch als Siegfried-Linie bekannten Westgrenze des Deutschen Reiches, handelt.

Obwohl es immer wieder in Strömen regnete und die vorangegangen Stürme einige Schäden auf dem Wanderweg hinterlassen hatten, war die Route eine der abwechslungsreichten, die ich jemals gelaufen bin. Normalerweise bin ich auch kein Fan von breiten, zu leicht zugänglichen Wegen, was sicherlich daran liegt, dass diese gewöhnlich für meinen Geschmack zu stark frequentiert oder zu eintönig sind, hier jedoch war das mitnichten der Fall. Immer und immer wieder wurden die Wege von Brücken unterbrochen und besonders bei den metallenen war ich froh, dass wir im Canicross das Überqueren geübt hatten. Routiniert und souverän marschierten die beiden Rabauken über jede einzelne.

Besonders lachen musste ich über Amber. Als entlang des Schleebachgrabens einige Kanalrohre lagen, blickte sie mich – gewöhnt daran, jedes Hindernis als Aufgabe zu sehen – nur an als ob sie fragen würde: „Soll ich drüber klettern oder durch laufen?“.

Überhaupt der Schleebachgraben: Dieser Teil der Strecke hat mich besonders fasziniert. Kerzengrade Kilometer, dennoch ein herrlich verwunschener Weg, dessen Farben auch bei triefendem Regen kein bisschen gelitten haben. Von Menschenhand angelegt, soll er Oberflächenwasser ableiten. Er verbindet Schlee- und Dreilägerbach, von dort fließt das gesammelte Wasser in die Dreilägerbachtalsperre.

Auch den beiden Rabauken scheint dieser Teil der Strecke gefallen zu haben. Als ich sie kurz aus dem Geschirr löste, um sie im Graben trinken zu lassen, stoben sie fröhlich davon, die Gegend zu erkunden. Glücklicherweise hatte ich sie schnell wieder eingesammelt.

Normalerweise machen wir auf Strecken dieser Länge keine Rast. Da die Struffeltroute jedoch so wunderschön ist, dass ich jeden winzigen Eindruck noch länger auf mich wirken lassen wollte, nutzten wir die Dreilägerbachhütte für eine kleine Pause. Die klatschnassen Rabauken waren etwas irritiert über den plötzlichen Moment des Wartens, mit ein paar Leckerlies hatte ich sie jedoch schnell von der kurzen Unterbrechung überzeugt. Ich goß mir ein wenig vom mitgebrachten Tee in meinen Becher, lehnte mich zurück und genoss das Rauschen des Dreilägerbachs, der zu unseren Füßen floß. Welch unvergesslich schöne Momente die Natur einem doch bescheren kann.

Wasser überall

Frisch gestärkt machten wir uns auf den zweiten Teil des Rundwegs. Wer allerdings behauptet, dass man die Runde dank der vielen Brücken trockenen Fußes hinter sich bringt, der lügt. Oder ich habe die entscheidende Brücke nicht gesehen. Die Überquerung des Dreilägerbachs kurz vor der Talsperre habe ich zumindest nicht geschafft, ohne mit den Wanderschuhen doch einmal zu tief ins Wasser zu treten. Da half auch die Wollbommelmütze nicht mehr. Nachdem wir jedoch sowie schon das ein oder andere Mal nass geworden waren, störte das nicht allzu schlimm.

Schnell hatten wir das Vorbecken der Dreilägertalsperre erreicht. Nachdem ich mich kaum über die Route informiert hatte, kam die Talsperre für mich als beeindruckende Überraschung. Auch die hatte ich irgendwie überlesen, und vorab Karten studieren ist sowieso völlig überbewertet. So gut, wie die Route ausgeschildert ist, war das hier auch absolut kein Problem, der nicht vorhandene Handyempfang war mir dennoch eine Lehre. Heute gehe ich vorbereiteter auf unsere Touren. Den Ausblick auf die Talsperre habe ich trotzdem genossen, auch wenn dieser bei besserem Wetter sicherlich beeindruckender ist.

The best is yet to come

Das letzte Highlight der Route hat mir gleichzeitig meine Reise in den Lahemaa-Nationalpark in Erinnerung gerufen und einen Traum erfüllt. Auf dem Bergrücken des Struffelt erwartete uns ein Hochmoor inklusive Holzstege, über die man durch selbiges Wandern kann, ohne im Naturschutzgebiet Schaden zu hinterlassen. Bereits als die ersten Vorboten davon sichtbar wurden, überlegte ich kurz, weshalb ich eigentlich so weit weg fahren will, um mit den Rabauken über solch Stege zu wandern, wenn doch das Gute liegt so nah. Damals lautete unser Roadtripziel noch ganz klar Baltikum.

An den Stegen angekommen, zögerten die Rabauken nicht lange und kletterten hinauf. Im Dreierteam stapften wir Schritt für Schritt darauf entlang. Während ich den Moment genoß, wäre es für die beiden sicherlich einfacher gewesen, links und rechts von mir zu laufen, allerdings ließ es sich keiner der beiden nehmen, immer wieder zurück auf die Holzbalken zu springen, sobald ich das auch nur andeutete.

Das Fazit der knapp 10 Kilometer langen Runde? Ich glaube, außer in Slowenien an der Soca bin ich bisher noch keine so schöne Wanderung gelaufen. Die Struffeltroute ist etwas ganz besonderes, und ich kann mir vorstellen, dass auch wir noch einmal wiederkehren werden. Mit ganz viel Glück dann ohne Regen, aber selbst wenn die Bommelmütze wieder mit muß: Die Schönheit der Gegend macht süchtig. Einziger Nachteil: Die Meßlatte liegt seit diesem Ausflug ganz weit oben!

Lasst es euch gut gehen!

Sie

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