Deine Sehnsucht ist die Ferne oder Probecamping im Harz

Vor Beginn ihres Roadtrips ins Baltikum wollte Zissi von Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben ihr gekauftes Equipment und Packsystem auf Herz und Nieren testen. Sie lud uns ein, ihr dazu über das Wochenende im Südharz Gesellschaft zu leisten.

Eigentlich sprach alles dagegen. Eigentlich hatte ich trotz Feiertag am Donnerstag keinen Brückentag eingereicht. Eigentlich war die Fahrtzeit dorthin ziemlich lang. Eigentlich hatten wir keine Zeit zum Vorbereiten oder Packen. Nur das Campingequipment fuhr ich noch im Auto spazieren. Und so entschied ich, es einfach anzugehen. Zu lang hatten wir uns nicht mehr gesehen, und mittlerweile wusste ich, dass ich mich auf ihre Planung blind verlassen konnte. Außer da sein hatte ich nichts zu tun. Ein schönes Gefühl. So packte ich also freitags nach der Arbeit die nötigsten Dinge zusammen und machte mich mit den Rabauken auf den Weg. Ich beschloss, mir keinen Stress zu machen, nicht auf die Uhr zu schauen, bereits auf dem Weg etwas zu essen, damit ich nicht auf Essen am Campingplatz angewiesen wäre.

Die Fahrt in den Harz war wunderschön. Die Autobahnen waren leer, die Sonne begleitete uns den gesamten Weg und verabschiedete sich erst kurz vor der Ankunft in den schönsten Farben von uns und dem Tag.

Vor einer Weile war ich schon einmal im Harz gewesen, von Göttingen aus hatten wir einen Tagesausflug dorthin unternommen. Von damals war mir nur noch in Erinnerung, dass ich aus meiner alten Heimat in den ersten Frühlingssonnenstrahlen los gefahren und dort plötzlich im tiefen Schnee gelandet war. Außerdem schien ich mich an verfallene Kurorte und einen Biergarten zu erinnern, war mir allerdings nicht sicher, ob diese Bilder nicht mit endlosen anderen Durchfahrten durch kleine Dörfer und Naherholungsgebiete verschwammen. Eine richtige Vorstellung dessen, was uns erwarten sollte, hatte ich somit nicht. Eine gute Voraussetzung für einen tollen Trip, ich lasse mich gerne überraschen.

Für unseren Aufenthalt hatte Zissi ihr winziges Zelt auf der freien Wiese in der Nähe des Essbereichs und des Badhäuschens unseres kleinen Campingplatzes aufgestellt. Für mich und die Rabauken hätte ich persönlich einen anderen Ort auf dem Platz gewählt, da ich sehr darauf achten muss, dass die Wüstenprinzessin zur Ruhe kommt und sich nicht als Oberpolizistin des Campingplatzes fühlt, allerdings wusste ich, dass wir viel unterwegs sein würden. Außerdem hatte ich die Reisebox dabei, so dass ich ihr im Zweifelsfall einen eigenen kleinen Rückzugsort im Trubel schaffen konnte.

Nach einer kleinen Abendrunde baute ich noch eben das Auto um und wir legten uns schlafen.

Am nächsten Morgen wachte ich viel zu früh auf. Ich wollte mich eben schlecht gelaunt zur Seite drehen, als ich durch meine Heckscheibe den Sonnenaufgang entdeckte. Leise schlich ich mich aus dem Auto um die Kofferraumtür zu öffnen und kuschelte mich wieder neben Buddy in meinen Schlafsack. Welch wunderbare Momente diese Welt doch für uns bereit hält.

Nach diesem besonderen Erlebnis rollten wir uns noch einmal ein und schliefen, bis es im Auto zu warm geworden war. Zum Aufstehen begrüßte uns Zissi mit einem Kaffee, anschließend machten wir uns auf den Weg ins Dorf, um fürs Frühstück einzukaufen. Zurück am Campingplatz genossen wir selbiges ohne Blick auf die Uhr und Zeitdruck, bevor wir langsam für unsere erste Wanderung zusammen packten.

Aufgrund der Temperaturen hatte Zissi eine kleine Runde ausgesucht, die uns um den Kunstteich Neudorf führen sollte. Insgesamt liefen wir kurze 3 km, dafür war die Tour an Schönheit kaum noch zu überbieten:

Hier haben wir uns an Stempelstelle 193 auch unseren ersten Harzer Wanderstempel geholt.

Zurück am Teich gönnten sich die Rabauken eine kleine Wasserabkühlung sowie die Überreste Melone, die dort jemand liegen gelassen hatte.

Nach einem kleinen Mittagssnack auch für uns machten wir uns anschließend auf den Weg zur zweiten Runde. Knappe 8 km sollten wir hier laufen, dadurch, dass die Strecke durch den Wald führte, war sie auch bei wärmeren Temperaturen angenehm zu gehen. Dafür gehörte sie leider zu den langweiligsten, die ich bisher gewandert bin. Ausschließlich breite Wege, keinerlei Abwechslung, den Weg zurück zum Auto liefen wir letztendlich über eine kerzengerade Allee. Einziges Highlight war der kurze Ausblick auf den Bremer Teich.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz kauften wir fürs Abendessen ein und gönnten uns zur Belohnung für die langweilige Wanderung ein paar frische Windbeutel.

Den Rest des Abends verbrachten wir auf dem Campingplatz, aßen Salat, tranken Faßbrause und hörten der Party zu, die vom Frühstücks- und BBQ-Platz zu uns herüber hallte.

Seemann / laß das Träumen / denk nicht an zuhaus‘ / Seemann / Wind und Wellen rufen dich hinaus / Deine Heimat ist das Meer / deine Freunde sind die Sterne / über Rio und Shanghai / über Bali und Hawaii…

Lolita / Seemann (Deine Heimat ist das Meer)

Zissi und Rosa hatten sich bereits in Zelt verzogen, meine Rabauken und ich liefen noch die kleine Abendrunde und vergruben uns anschließend ebenfalls in Kissen und Schlafsäcken.

Diesmal habe ich geschlafen wie ein Stein. Selbst die pralle Sonne am nächsten Morgen konnte mir nichts anhaben, den Sonnenaufgang hatte ich längst verpasst. Ob ich mit zur Wanderung kommen wollte, wusste ich nicht sicher, schließlich standen uns noch über 4 Stunden Rückfahrt bevor.

Was bin ich froh, dass ich mich habe überzeugen lassen! Für den zweiten Tag hatte uns Zissi eine Route rund um die Teufelsmauer ausgewählt.

Bereits der erste kleine Aufstieg zeigte, dass es heute etwas anstrengender werden sollte als am gestrigen Tag. Als die ersten ausgewaschenen Felsen auftauchten, hatte auch Buddy seine Probleme. Wenn ich mir jedoch sicher bin, dass er den Anstieg schaffen kann, sage ich ihm genau das und helfe ihm im Geschirr über kleine Hürden hinweg. Sofort wurden wir für alles entschädigt, als vor uns das Hamburger Wappen erschien. Das Hamburger Wappen ist eine Sandsteinformation, dessen Aussehen an – naja, ihr ahnt es wohl – an das Wappen der Stadt Hamburg erinnert. Klettert man den Zugangsweg hinauf, ist es zuerst von Bäumen verdeckt, der Moment, in dem es jedoch sichtbar wurde, bescherte mir eine komplette Gänsehaut. Ein weiterer dieser Momente, in denen die Natur mich sprachlos zurück ließ und ich einfach nur dankbar dafür war, dass ich dies bei einem solchen Wetter mit meinen Rabauken und einer lieben Freundin erleben durfte.

Wir kraxelten und kletterten über die Felsen, genossen Sonnenschein und Aussicht, vergessen war die Rückfahrt und noch kommende Wanderung, wir saßen einfach im Hier und Jetzt und ergötzten uns am Moment.

Auf dem weiteren Wanderweg änderte sich die Vegetation schlagartig und wir fühlten uns, als könnte uns hinter jeder Biegung die Sicht aufs Meer überraschen. Warm war es und unser Weg unterteilte sich in eine einfachere und eine schwierigere Option. Mit Blick auf die Rabauken entschieden wir uns ohne Zögern für den einfacheren Weg.

Nach etwa der Hälfte der Strecke erreichten wir den Großvaterfelsen, den es über Felsstufen und Eisentreppen zu besteigen galt. Nichts für meinen werdenden Großvater an der Leine. Er hatte sich bereits demonstrativ vor der Wandertafel in den Sand gelegt. Amber überlegte zuerst noch, ob sie Rosa und Zissi folgen sollte, als diese sich jedoch einige Meter entfernt hatten, beschloss sie, doch lieber bei uns zu bleiben. So warteten wir im Schatten und unterhielten uns nett mit einem vorbei kommenden Motorradfahrerpärchen, welches sich ebenfalls gegen den Kletterausflug entschieden hatte.

Kaum waren die Mädels zurück gekehrt, traten wir auch schon einen entspannten Rückweg an. Da Buddy die Pause so deutlich gebraucht hatte, entschlossen wir uns, die geplante Tour ein wenig abzukürzen, so dass wir am Ende knappe 8 km erreichten.

Zurück am Auto versorgten wir die Hunde mit Wasser, genossen noch einen mitgebrachten Milchkaffee und machten uns schließlich gut gelaunt und entspannt auf den Heimweg.

Herrlich war’s und das macht für mich diese Art von Erlebnis so toll: Egal, wie gestresst ich gestartet bin, am Ende komme ich immer wieder glücklich und voller Energie zurück, zehre lange davon und freue mich schon auf das nächste Abenteuer.

Lasst es euch gut gehen!

Sie

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