Leitwolf vs. Sofawolf oder Einfach mal die Klappe halten

Sie ist ein sehr kommunikativer Mensch. Grundsätzlich zumindest. Selbst wenn ihr die anderen nicht passen, grummelt sie vor sich hin. Passen wir ihr nicht, kommentiert sie jeden Atemzug. So war es bisher. Dann hat ihr der Nachbar empfohlen, einfach mal die Klappe zu halten. Zumindest im Bezug auf uns. Seine Hunde sind tiefenentspannt – im Gegensatz zu uns. Das lässt sie noch mehr grummeln und hat sie schließlich überzeugt, sich seine Empfehlung doch einmal anzuschauen. Er hat gute Erfahrungen gemacht mit dem Leitwolftraining von Mirko Tomasini.

4Als wir im neuen Ort angekommen waren, damals, haben wir eine solche Trainingsstunde schon einmal gebucht. Nicht bei Tomasini selbst, aber nach seinem Prinzip. Damals war die plötzliche Enge in Verbindung mit Leinenzwang und vielen anderen Hunden ein wirkliches Problem für meine hübsche Freundin und trotz regelmäßigem Besuch der Hundeschule haben wir das draußen im echten Leben nicht wirklich verbessern können.

Also haben wir uns einen Trainer nach Hause geholt, der vor Ort mit uns üben sollte. Schließlich war das Konzept für uns komplett neu nach dem bisherigen Training mit positiver Bestärkung. Nach einem Einschätzungsgespräch gab es einen Spaziergang, in dem wir und ihr Verhalten zuerst beobachtet wurden, anschließend sollte es Tipps zur Verbesserung geben. Vielleicht ist das Ganze damals auch einfach nicht ganz ausgereift gewesen oder sie hat es falsch verstanden, während der Übung hat das Einschränken des Raumes jedoch dazu geführt, dass meine hübsche Freundin im Übersprung in meine Richtung in die Luft geschnappt hat. Passiert ist nichts, dennoch gehörte das sicherlich nicht zu den Dingen, die wir unserer To-Do-Liste hinzufügen wollten.

Eine Weile haben wir dennoch versucht, nach dieser Methode zu üben. Meine hübsche Freundin lässt sich unglaublich beindrucken dadurch. Bei mir allerdings – was soll ich sagen? Ich bin des Öfteren eher ein Stein und man sagt mir nach, ich sei respekt- und distanzlos. Stellt sich mir einer in den Weg, remple ich dagegen. Zieht man das konsequent durch, weiche ich dem Ganzen konsequent aus. Im Ignorieren bin ich auch sehr gut. Sie hat das aufgeregt. Und zwar ziemlich. Wütend gemacht, dass es bei mir nicht fruchtet. Dabei kamen wir bisher eigentlich ganz gut zurecht, so mit Leckerli und freundlichen Worten. Kurz und gut – bevor sie richtig wütend mit mir wird, hat sie damals ziemlich schnell aufgegeben und weiter vor sich hin gegrummelt  und gewütet. Ein Fan des Ansatzes war sie nicht geworden.

Bis eben der Nachbar kam. Auf besagtem Spaziergang war sie mit mir alleine und ich habe mich während dem Gespräch völlig entspannt hinten eingeordnet. Das hat sie ziemlich überrascht. Das Buch wurde gekauft und einiges daraus probiert. Ohne Druck. Ohne Wut. Einfach nur zum Spaß – mögliche Verbesserungen dankend angenommen.

Stoisch sind wir dem Buch nicht gefolgt. Never change a running system (wie wir diesen Satz normalerweise hassen – ich hätte nicht gedacht, dass wir ihn mal zitieren würden). Darum geht es dem Autor im Buch aber auch nicht. Soll heißen: Nun wird gemischt. Sie arbeitet an sich, hält sich mit Worten zurück so oft es geht, wendet die Grummelei nach außen in ein freundliches Hallo. Meine hübsche Freundin lenkt sie mit Körpersprache – meistens. Das funktioniert toll, sie kann sie selbst im wilden Lauf auf sie zu rechtzeitig stoppen. Die eingespielten Situationen zwischen ihr und mir laufen weiterhin über Worte, sie ist dabei jedoch viel ruhiger – meistens.

In Situationen, in denen wir uns mit Worten nicht verstanden haben, versucht sie nun auch bei mir die räumliche Einschränkung. Das funktioniert nicht immer, aber immer öfter. Was sie wiederum deutlich ruhiger und entspannter macht. Und uns mehr Ruhe und Freiheit gibt. Nicht immer, aber immer öfter.

Together

Was wir damit sagen wollen? Vielleicht lohnt sich doch ein Blick über den Tellerrand – auch wenn man beim ersten Mal nicht überzeugt war. Man muss deswegen ja nicht komplett die Ernährung umstellen. Pickt euch die Rosinen raus und lasst sie euch schmecken! Im übertragenen Sinn natürlich…

Kisses, Buddy

8 Gedanken zu “Leitwolf vs. Sofawolf oder Einfach mal die Klappe halten

  1. Stephie von The Pell-Mell Pack schreibt:

    Ha, der Leitwolf steht auch noch auf meiner Rezensionsliste. 😃
    Das Blockieren war bei uns ein kompletter Reinfall. Kleine Signale hat Enki nicht geschnallt, massiveres Raumbeanspruchen hat er mit Angstpinkeln quittiert. Aber das Spielkapitel war eine Offenbarung! Definitiv auch für uns ein Rosinenbuch.

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    • buddyschreibt schreibt:

      Die meisten Versuche habe ich erst einmal mit massivem Rückwärtslaufen quittiert! Da meine hübsche Freundin das allerdings so toll macht, bin ich nun manchmal auch dabei. Vor allem wenn ich Fremden Hallo sagen will (da kann ich nämlich deutlich freundlicher sein als sie), fordert sie nun Raum. Irgendwie sind wir mit dem Gemisch auf jeden Fall alle auf einmal deutlich entspannter.

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      • Stephie von The Pell-Mell Pack schreibt:

        Rückwärtslaufen ist ja schon ziemlich schlau. Dein Kumpel Enki stan da mit riesigen Augen wie ein Reh im Scheinwerferlicht und der Urin tröpfelte in die Fellhosen. Danach hielt er mindestens 1 m Abstand zu mir, da halfen auch keine Leckerchen. Und ich habe mich nur schnell umgedreht und einen kleinen Schritt auf ihn zu gemacht. 😂 Da steckt er die Eiche als Heilkraut deutlich besser weg. Luna versteht das übrigens auch super. Sorry Buddy, aber die Mädels sind halt schlauer.
        Aber toll von Dir, dass Du jetzt auch zu ihrer Entspannung beiträgst.

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      • buddyschreibt schreibt:

        Die Eiche… Da hast du ihr nen Floh ins Ohr gesetzt! Den Respekt hätte ich ihm gar nicht zugetraut – da muss ich bei Gelegenheit mal ein ernstes Wort mit ihm reden! Man up! 🙂 Zu den Mädels sag ich lieber nichts, sonst fang ich mir noch ne Eiche ein…

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  2. Anwolf - Unterwegs auch mit Hund schreibt:

    Hallo Buddy! Bobby singt glaube ich auch schon ein Lied davon, was ich wieder als DIE Methode zum entspannten Miteinander an ihm ausprobiere. Kurzzeitig zeigt er sich verwundert bis beeindruckt, um dann wieder seinen Gewohnheiten und Aufgaben nachzugehen als wäre nichts gewesen. Aber Klappe halten ist grundsätzlich ein guter Ansatz, glaube ich 😘 Liebe Grüße vom „Sofawolf“, die nicht aufgibt, am Leitwolf zu arbeiten: Andrea

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  3. Schätersky und Frauchen schreibt:

    Lieber Buddy,
    mein Frauchen hat dieses Buch auch gelesen, obwohl ihr der Titel nicht gefällt – schließlich ist sie kein Leitwolf und möchte auch keiner sein. Sie findet es teilweise sehr gut (ebenfalls besonders das Kapitel über Spiel). Allerdings wird im Kapitel über Führung für unseren Geschmack zu viel Druck aufgebaut. Es geht auch ohne.
    Ich persönlich brauche keine Bücher, ich kann mein Frauchen auch so trainieren. Da ich in kritischen Situationen kein Futter oder sonstige Belohnungen möchte, muss sie zwangsläufig mit Körpersprache arbeiten. Und wenn sie wütend wird, mache ich sofort dicht. So lernt sie sich zu beherrschen und übt sich in Frustrationstoleranz. Damit habe ich es tatsächlich geschafft, ihr diese Dinge beizubringen. Da ich ein sehr sensibler Hund bin, funktioniert das bei uns sehr gut.
    Auf Küsse lieber verzichtend, aber aus Ferne freundlich wedelnd,
    Kalle

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    • buddyschreibt schreibt:

      Lieber Kalle,
      ich gestehe neidvoll – du beherrschst die gleichen Künste wie meine hübsche Freundin!
      Für mich persönlich war es lustiger zu sehen, wie sie bei meiner hübschen Freundin versucht hat, mit der Leckerli-Labrador-Methode zu arbeiten, während das hübsche Ding ihr vom ökologisch wertvollen Gebäck bis zur mit Liebe selbstgebackenen Variation alles vor die Füße gespuckt hat – auch eine Art, die Frustrationstoleranz zu üben!
      Nun ist es allerdings lustiger, wenn ich mit meiner Freundin auch toben darf und die nicht nur doof an der Leine sein muss!
      Deshalb ein Hoch auf euch sensible Erzieher! Buddy

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