Zu Risiken und Nebenwirkungen oder die Ausbildung zum Hundephysiotherapeuten Teil 2

In unserem ersten Teil der  Miniserie haben wir euch vom Ablauf der Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin nach Blümchen® berichtet. Kaum angekommen, wirst du auch schon überflutet mit Lernmaterial, möglichen zusätzlichen Lektüren, Ausmalbüchern, Lernkarten, ich-weiß-nicht-was. Das Angebot ist schier unendlich, die Gier nach Wissen und der Warenkorb groß, die Rechnung dann am Ende noch größer. Dazu kommen dann im Laufe der Zeit noch all die tollen Geräte und Maschinen, die auf jeden Fall benötigt werden.

Wir haben euch deshalb einmal zusammengestellt, was uns am meisten beim Lernen unterstützt hat und wie wir uns die Menge der Informationen strukturiert haben. Das ist natürlich kein Patentrezept, aber vielleicht unterstützt es euch ja beim Lernen und bei der ein oder anderen Kaufentscheidung.

Allem voran sei gesagt, dass sie ein sehr visueller Lerntyp ist, das heißt am besten muss alles bildlich vor ihrem Auge erscheinen. Dies hat sicherlich auch einen Einfluss auf die Auswahl der Lernmaterialien.

Ein wichtiger Tipp, der uns sehr geholfen hat, war, alle Fächer parallel zu lernen und sich lieber jeden Tag für nur eine kurze Zeit hinzusetzen, als dann am Wochenende geballt über mehrere Stunden. Zu den mehreren Stunden ist es oft trotzdem gekommen, aber wenn man unter der Woche schon einiges wiederholt hat, war das für uns besser für die Motivation und das Gewissen und der Berg ist nicht ganz so unüberwindlich für die beiden freien Tage. Wenn wir uns abends wirklich nicht mehr dazu aufraffen konnten, noch einmal für 20 Minuten Text zu lesen, haben wir dann auf YouTube nach Videos geschaut oder sie hat das Praktische an mir geübt.

Ganz wichtig für das Verständnis des Inhalts und die Wiedergabe war für uns auch das Lernen in der Gruppe. Wir haben uns – entgegen aller Scheu – einmal im Monat mit anderen Kursteilnehmern zusammen gesetzt und uns gegenseitig abgefragt. Zum einen wird hier schnell klar, wo einem noch Wissen fehlt, zum anderen lernt man einiges allein durch die Sichtweise und Erklärung der anderen. Außerdem kann man so gut selbst überprüfen, ob man den Inhalt verständlich wiedergeben kann – das funktioniert auch gut bei gewillten Unwissenden. Verbunden haben sie das mit einem leckeren Frühstück und viel Geübe an uns Rabauken – das waren immer sehr schöne Tage für alle!

Nach der ersten Schulwoche habt ihr sicherlich schon die ersten Einblicke in die Grundlagen des Hundekörpers bekommen (wenn ihr nicht sowieso schon Vorwissen mitgebracht habt) und die jeweiligen Skripte in jedem Fach einmal grob besprochen. Um die Zusammenhänge des Körpers und der Bewegungen zu verstehen, ist es wichtig, zuerst einmal die Grundzüge der Anatomie in den Kopf zu kriegen.

Hierfür empfiehlt sich auf jeden Fall ein Hundeskelett, welches möglichst groß und genau genug ist, um wichtige Muskelansatzstellen und Knochenpunkte auch zu sehen. Wir haben unseres von Erler-Zimmer GmbH & Co. KG, bestellt über Pauls Praxis. Es ist aus Plastik, nicht zu klein und die Knochen sind detailgetreu dargestellt. Dreidimensionales Verstehen.

Vor lauter Begeisterung über die Anatomie und diesen völlig neuen Einblick in den Bewegungsapparat hat sie allerdings eine sehr lange Zeit – zu lange – mit den Knochen des Hundes verbracht. Es empfiehlt sich jedoch, sobald die einigermaßen sitzen, zügig zur Muskulatur überzugehen. Im Skript werden die einzelnen Muskeln genau beschrieben und die Funktion erläutert. Relativ schnell hatte sie hier jedoch ein Problem mit dem räumlichen Vorstellungsvermögen. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, welcher Muskel wie und wo genau welchen anderen Muskel überlagert und dadurch fiel es ihr schwer, den jeweiligen Ursprung und Ansatz in den Kopf zu kriegen.

Zuerst hat sie das mit einem Ausmalbuch versucht, allerdings hat das zwar Spaß gemacht, war jedoch wenig zielführend. Irgendwie war das einfach noch nicht dreidimensional genug.

Gut geholfen hat da schon einmal der „Muskelatlas des Hundes“ von Katja Gühring. Hierin werden die Muskeln genau beschrieben, ins Verhältnis zur benachbarten Muskulatur gesetzt und illustriert.

Das Sahnehäubchen zum Abschluss war allerdings das Buch „Bewegungsapparat Hund“ von Mima Hohmann. Vieles aus dem häufig empfohlenen Buch „Hunde in Bewegung“ von Prof. Martin Fischer wird hier aufgenommen und noch einmal erläutert und unserer Meinung nach schafft Frau Hohmann auch genau das, was sie sich zu Anfang des Buches vornimmt – ihre Begeisterung für die Bewegungsabläufe des Hundes zu teilen. Liest man das Buch jedoch gleich zu Beginn und ohne medizinische Vorkenntnisse, ist man sicherlich schnell erschlagen von den Fachtermini und dem Umfang des Ganzen. Sie hat das Buch immer dann zur Hand genommen, wenn sie das Skript nicht mehr sehen konnte und noch eine andere, erweiterte Sicht auf die Dinge brauchte.

Nun klingt es aber so, als sei das Buch „Hunde in Bewegung“ nicht sinnvoll. Das stimmt nicht! Für die Praxis und das Leben nach der Prüfung gehört das Buch unserer Meinung nach auf jeden Fall ins Regal, aber wenn ihr könnt, schaut euch Herrn Prof. Dr. Fischer unbedingt live an. Er ist ein unglaublich toller Dozent, und auch in seinen Seminaren spürt man jede Sekunde die Passion für das, was er tut. Obwohl das Thema doch auch sehr theoretisch werden kann, schafft er es, es locker und verständlich an den Zuhörer zu bringen. Danach das Buch zu lesen, ist perfekt zur Auffrischung und zum Aufbau von Hintergrundwissen, einige Ansätze solltet ihr jedoch für die Prüfung zuerst noch einmal in ein Hinterkämmerlein schieben.

Wir haben uns das Seminar bei den Hundereferenten angesehen. Es wird aber auch noch bei anderen Anbietern, wie zum Beispiel Dogs Fit in Bad Kissingen, angeboten.

Die Physiologie ist sicherlich der theoretischste und bei vielen auch unbeliebteste Bereich. Sie spielt sich fast komplett in winzigen Größen ab, die sich schwer vorstellen lassen. Unsere persönlich liebste zusätzliche Lernquelle hierfür war YouTube. Wer nach hundespezifischen Videos sucht, wird im deutschsprachigen Raum eher enttäuscht. Zusätzlich hier ein Hinweis: Einiges, was für den Menschen zutrifft, ist für den Hund ein wenig anders. Daher hat das Skript immer Vorrang!

Den besten Nutzen hat sie aus der Reihe „TheSimpleBiology“ gezogen. Einige Videos sind in erster Linie für Jüngere gedacht – lasst euch davon nicht beirren. Gerade im Bezug auf die Zelle, Reizweiterleitung und das Aktionspotential gibt es hier viele Videos, die den Inhalt leicht verständlich und nachvollziehbar erklären.

Für ein Gesamtverständnis und den – zugegeben sehr weiten – Blick über den Tellerrand lohnt sich ihres Erachtens nach auch ein Blick in die Serie „Anatomy for Beginners“ von Gunther von Hagens. Die Serie ist auf Englisch und es geht um die Anatomie des Menschen, dennoch ist es bestimmt interessant für den, der das gut sehen kann.

In der Pathologie waren wir wiederum etwas vorsichtiger mit YouTube. Alle möglichen Videos zu Gangbildern und Symptomen werden von Laien hochgeladen, so dass die Zuordnung unter Umständen schlichtweg falsch ist.

Zu empfehlen sind jedoch sicherlich die Videos, in denen Frau Prof. Dr. med. vet. Andrea Meyer-Lindenberg, Klinikvorstand und Inhaberin des Lehrstuhls für Chirurgie der kleinen Haus- und Heimtiere der Ludwig-Maximilians-Universität in München, verschiedene Krankheitsbilder und deren Behandlung erklärt.

Zusätzlich haben wir die Namen der Erkrankungen an die jeweils möglichen Gelenkteile unseres Skelettes gehängt – so konnten wir beim Durchgehen der jeweiligen Körperteile auch gleich die Pathologie wiederholen.

Alternativ gibt es natürlich auch eine Menge Seminare, in denen man genaueres lernen kann. Für uns hat es am meisten Sinn gemacht, sich während der Ausbildung auf eher allgemeinere Themen zu konzentrieren, wie zum Beispiel Gangbilder oder Befundaufnahme, da in solchen Seminaren häufig zwangsläufig auch die Symptome der Erkrankungen mit besprochen werden. Tolle Seminare werden auch von der Praxis hundgesund angeboten. Einige der Seminare sind dabei speziell auf Physiotherapeuten in der Ausbildung zugeschnitten.

Sie hatte zusätzlich das große Glück, für ein paar Tage ein Praktikum bei einer anderen Hundephysiotherapeutin machen zu dürfen. Die Arbeit am Patienten zeigt natürlich die verschiedensten Symptome und Gangbilder im echten Leben. Nicht überall geht das, aber es lohnt sich, nachzufragen.

Jetzt noch einmal kurz und knackig die Liste der Bücher:

„Muskelatlas des Hundes“ von Katja Gühring, ISBN 978-3000526664

„Bewegungsapparat Hund“ von Mima Hohmann, ISBN 978-3830494386

„Hunde in Bewegung“ von Martin S. Fischer und Dr. Karin E. Lilje, ISBN 978-3440130759 und

das Ausmalbuch „Arbeitsbuch Hundeanatomie“ von Andrew Gardiner, ISBN 978-3954640140

Wir wünschen frohes Lernen und gutes Gelingen!

Kisses, Buddy

 

 

 

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