Personal oder Das Versprechen

To the world, I probably look like someone who is perfectly happy with herself.

Ich sitze im Caddy, auf der Ladefläche, die Hunde kuscheln neben mir.

Schiebetür und Hecktüren sind weit offen, die Sonne scheint.

In meiner Hand halte ich das Stück Kuchen, das mir die nette Verkäuferin zu meinem belegten Käsebrot in die Hand gedrückt hat.

Den zugehörigen Cappuccino hat sie liebevoll mit Schokolade verziert.

Ich schaue den beiden Herren im Business-Outfit hinterher, die aussehen, als würden sie auch lieber hier sitzen jetzt.

Denke an die rosa Zettel, die zuhause auf dem Tisch liegen. „Diagnose: Depression und Erschöpfungssyndrom“ steht da drauf. „Überweisung Psychiatrie“.

Wie konnte das passieren?

So viele Jahre tänzelte ich am Abgrund, schaffte es immer und immer wieder, mich heraus zu ziehen dank Persönlichkeitsentwicklung, Podcasts, Struktur und festen Routinen.

In letzter Zeit aber, da merkte ich bereits, es ging mir nicht gut.

Seit ich angekommen war in der alten Heimat klappte es nicht mehr, ich fand den Weg nicht zurück in meine Routinen und die Disziplin.

Trotz Lockdown und neuer Umgebung, die es zu entdecken galt, fühlte ich mich antriebslos, erschöpft, immer einen Schritt hinter der Person, die ich eigentlich war, eigentlich sein könnte.

Was fehlt dir denn noch?

Fragte ich mich selbst, was ich eigentlich noch wollte vom Leben, was mich denn glücklich machen sollte, wenn es nicht einmal die jetzige Situation tat, konnte ich es nicht beantworten.

Hatte keine Ahnung, was mir denn noch fehlen sollte, jetzt, wo wirklich alles gut war, ich mich aufgehoben und geborgen fühlte.

Die Zusammentreffen mit neuen und alten Freunden zeigten nur noch deutlicher auf, wie wenig „Leben“ ich gelebt hatte in letzter Zeit. Dinge, die sie während des gefühlt ewig andauernden Lockdown-Winters vermissten, hatte es für mich schon Jahre nicht mehr gegeben.

Kino, feiern, Essen gehen, Clubs? Ewig war das her, gefühlt in einem anderen Leben. Hand in Hand einhergehend damit das Gefühl für den eigenen Körper, sich wohl zu fühlen. Bewusst. Sicher in sich selbst. Grundzufrieden.

So lange hatte ich die Einsamkeit bekämpft mit To Dos, dass ich mich selbst und meine Bedürfnisse nicht mehr wahrnahm, nur noch funktionierte.

Ich vergass, mich selbst zu fragen, was ich eigentlich wollte, mich selbst an erste Stelle zu setzen. Und das erschien mir völlig normal. Ich merkte es nicht einmal.

Alte Muster

Zu zuverlässig funktionierte er in der alten Heimat, der Weg ins alte Muster. Die Physiopraxis ging durch die Decke, kaum, dass ich das Gewerbe umgemeldet hatte.

Ich war stolz auf mich, stolz, Erfolg zu haben, gebraucht zu werden. Vereinbarte mehr und mehr Termine neben der Arbeitszeit.

Andere Dinge, die erledigt werden mussten, ließen sich nun nur noch vor dem Bürojob einschieben.

Unternehmungen mit Freunden oder Zeit für mich fielen unbewusst komplett hinten unter, schließlich war dies die letzten fünf Jahre auch nur ganz kleiner Bestandteil in meinem Leben.

Ich schraubte mich immer weiter nach oben, konnte nicht zur Ruhe kommen, lenkte mich mit Netflix und Handyspielen ab, konnte nicht schlafen, ohne mich von etwas beschallen zu lassen.

Ich merkte, dass es so nicht ging, wollte und konnte aber weder etwas loslassen, noch Entscheidungen fällen.

Ich verschwamm. Nahm mich selbst nicht wahr. Mir fehlte die Kraft, ich riss mich jedoch den ganzen Tag zusammen, um denen, die mir am Herzen lagen, nicht meine Dauererschöpfung zu zeigen.

Erklären konnte ich ja sowieso nicht, weshalb es immer so war. Ich hangelte mich an kleinen Energievorsprüngen voran und fühlte mich immer dann, wenn ich ein wenig davon gewonnen hatte, als sei doch alles ok.

Einfach mal nichts tun?

„Du halst dir auch immer so viel auf“ sagte erst gestern meine Chefin im Gespräch zu mir. „Du kannst nicht einfach mal nichts tun.“

Später sprach ich mit meiner Freundin darüber. Der einzige Weg, meinen Kopf aus der endlosen Spirale der „was muss noch getan, was noch verbessert werden“-Gedanken zu lösen, ist Bewegung. Wandern. Joggen.

Noch nie war mein Zuhause ein Rückzugsort für mich. Während andere ihre Wohnung lieben, dort auftanken, zur Ruhe kommen, wartet in meinem eine endlose Reihe von „du machst und bist nicht genug“-Glaubenssätzen auf mich.

Ich dachte, ich hätte es im Griff. Ich dachte, ich sei auf einem guten Weg.

Im letzten Artikel habe ich mir noch mehr Trampelpfade gewünscht, weniger Autobahnen alter Muster. Naiv dachte ich natürlich, ich könnte mein Tempo dabei selbst bestimmen. 

Dass das Leben nun aber einmal der wahre Steuermann ist, habe ich nicht bedacht. Planlos stehe ich jetzt da mit all meinen losen Enden, an denen ich mich nun entlang hangeln darf.

Planlosigkeit als Weg?

„Vielleicht ist es genau das, was du einmal brauchst. Einfach mal keinen Plan, keine Lösung zu haben.“

Das saß! Und musste sacken. Ach Chefin, du weise Frau!

Wie sonst soll ich mich auf den Weg aus dieser Endlosschleife begeben, als wenn ich mir endlich eingestehe, dass ich aus eigener Kraft nicht dort hinaus komme?

Dass meine Lösungsansätze nicht die richtigen sind?

Angeschoben von so viel Unterstützung gehe ich die ersten Schritte dessen, was sich noch wie ein völlig falscher Film anfühlt.

Übernehme Verantwortung, buche Arzttermine, entferne Hormongeber als potentieller Auslöser aus meinem Körper, spreche mit fremden Menschen über meine Situation.

Gehe raus, bewege mich, verbringe Zeit an Orten, die mir Kraft geben. Ziehe Kraft aus unerwarteten Begegnungen mit Menschen und bearbeite täglich Aufgaben aus der Rise up and Shine University, die ich mir gebucht habe, als ich begann, mir einzugestehen, dass nun der Punkt gekommen ist, an dem nichts mehr geht.

Auch wenn ich mir gerade nicht vorstellen kann, irgendwann wirklich zu scheinen.

Promise to myself

Dennoch habe ich mir wirklich versprochen: Dieses Mal, ja, dieses Mal stoppst du erst, wenn es dir wirklich besser geht.

Streckst die Hände aus, lässt dir helfen, versuchst es nicht alleine.

Schenkst Vertrauen, öffnest dich.

Denn nur so gibt es nun einmal die Chance auf ein glückliches Leben.

Mit innerer Sicherheit und allem, was dazu gehört.

Lasst es euch gut gehen.

Kerstin mit Buddy, Amber und Ben

 

PS: Der Vollständigkeit halber: Die Rise up & Shine University habe ich selbst gekauft. Es handelt sich um keine Kooperation.

 

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.