Impossible oder Caddy Carlos

„Jetzt, wo die Auszeit ins Wasser gefallen ist, können wir unseren Roadtrip gar nicht mehr machen. Im Zelt, das schafft Buddy einfach nicht mehr.“ jammerte ich meiner Mama bei meinem ersten Besuch nach der Auszeit vor. „Dann gib doch dein Auto in Zahlung und kauf dir einen Caddy.“ war ihre Antwort. Schlicht und ergreifend.

„Wie soll das gehen?“ „Das Geld wird nicht reichen.“ „Ich liebe mein Auto.“ „Es hat eben frisch TÜV bekommen.“

Da waren sie wieder, die altbekannten DIY-Hindernisse. Während ich die typischen großen Portale öffnete, suchte sie in den Kleinanzeigen. Las Preise vor, zeigte Bilder von Camping-Ausbauten. Die privaten, die professionellen.

Gesehen hatte ich sie alle, folgte ich doch schon gefühlte Ewigkeiten endlosen Anzahlen solcher Accounts auf Social Media. Aber für mich? Für mich ging das nicht! Das Unmögliche möglich machen, den fürs Camping völlig ungeeigneten Vitara ausbauen und damit drei Wochen Roadtrip fahren – kein Problem. Aber einfach ein Auto kaufen, dass für die Hunde besser geeignet und auch fürs Camping nutzbar wäre – undenkbar! Willkommen, Hirnkäfig, hallo, DIY-Schranken.

Nur Unmögliches, bitte!

Sie hatte ja recht. Nur Jammern bringt auf Dauer nunmal nichts. Ich gab die Daten meines geliebten Gefährts zur Bewertung ein. Das Ergebnis war niederschmetternd! Zu diesem Preis hätte ich wirklich niemals ein vergleichbares Alternativfahrzeug finden können.

Aber Moment – etwas Unmögliches machbar machen? Ich war wieder im Boot. Wir hatten uns festgebissen. Fuhren herum zur Besichtigung, Modellkunde. Ich vereinbarte Termine, holte mir im Autohaus Rat, fragte meinen Händler nach einem möglichen Verkaufspreis. Auf einmal bewegten wir uns tatsächlich in anderen Gefilden. Der Weg ebnete sich, der Traum kam mir auf halbem Weg entgegen.

Über eine lokale Homepage fand ich ein echtes Schätzchen: Lieferwagenzulassung, Trennwand mit klappbarer Tür und klappbarem Beifahrersitz, ein wenig Sonderausstattung und weniger Kilometer als mein treues Reisemobil. Dazu vom Händler, mit Garantie. Ich vereinbarte einen Termin, war fürchterlich aufgeregt.

Die Aufregung legte sich nicht. Als der große Besichtigungstag gekommen war, war ich nervöser als vor einem Vorstellungsgespräch. Der Verkäufer war jung und amüsierte sich darüber.

Ich bombardierte ihn mit Fragen, Ideen, Vorstellungen. Er hielt mit. Und machte mir ein faires Angebot für den alten. Eine Probefahrt war allerdings nicht möglich. Dafür musste ich noch zwei weitere Tage warten und wieder kommen, wenn die Werkstatt gleichzeitig den Vitara besichtigen könne.

Push for moving on

Gesagt, getan. Auf dem erneuten Weg zum Autohaus blutete mein Herz, ich war mir nicht sicher. Der Vitara hatte uns auf endlosen Wegen begleitet, trotz seiner Macken hatte ich mich bei ihm immer sicher gefühlt. Das erste Auto, dass ich mit Vollausstattung gekauft hatte. Sitzheizung, Panoramadach, Rückfahrkamera. Hat man sich einmal dran gewöhnt, reist es sich doch ziemlich komfortabel darin.

Ich schaute aus dem Fenster. Und traute meinen Augen nicht. Dort stand ein alter R4, das Fahrzeug, bei dem ich schon als kleines Kind vom Campen geträumt hatte.

Irgendwann stand es bei uns auf dem Hof, wer uns damit besucht hat, weiß ich nicht mehr, in meiner Erinnerung jedoch lag eine Karodecke darin und das Fahrzeug schien zu erzählen von spontanen Fahrten ans Meer, nackten Füssen, im Sonnenuntergang schwimmen, danach eingehüllt in der Decke am Lagerfeuer Würstchen braten, während jemand auf der Gitarre spielt.

Wenn das kein Zeichen war!

Bild von Capri23auto auf Pixabay

Ich fuhr den Caddy Probe, probierte das rückwärts Einparken ohne die Luxuskamera, fuhr Autobahn, wendete. Wir mochten uns. Verstanden uns auf Anhieb. Selbst als ich so ganz ohne Navi unterwegs auf einmal mitten in Düsseldorf landete, fühlte ich mich gut aufgehoben. Carlito lotste mich sicher über Straßenbahnschienen und sechsspurige Einfahrtsschneisen.

Ich unterschrieb den Vertrag. Und nahm den Suzuki mit nach Hause. Erst einmal. Was für ein merkwürdiges Gefühl.

It’s a waiting game

Die Tage bis zum Abholtermin schienen sich endlos zu ziehen. Corona verlangsamte alles, Termine für die Zulassung waren erst Wochen später zu bekommen, auch das Autohaus brauchte seine Zeit.

Als ich den Caddy endlich abgeholt und erfolgreich getankt hatte und nach Hause fuhr, quietschte ich vor Glück.

Was für endlose Möglichkeiten uns nun offenstanden! Jederzeit los, einfach weg, wie es uns beliebt. Und für den Alltag? Ob Physioequipment für die Patienten oder das Rad und den Hundeanhänger – kein Problem für das neue Raumwunder.

Generalprobe der Möglichkeiten

Die erste Nacht verbrachten wir natürlich im Caddy. Vor der Haustür. Amber liebte ihn sofort. Buddy nicht so sehr. Für ihn ist der gruselige, gewellte Boden trotz Schutzauflage Lava.

In der Nacht bewegte er sich keinen Millimeter von der Matratze herunter, während ich auf dem kalten Metall des Radkasten kuschelte. Seine Krallen kratzten am nackten Blech, als er im Traum gefühlte 487 Kilometer lief.

Ich blickte hinauf an den Dachhimmel, der im Vergleich zum Vitara damals wie ein Altbau mit hohen Decken auf mich wirkte.

Kurz wurde mir bang – würde ich der Aufgabe des Aufbaus gewachsen sein? Ich beruhigte mich selbst wieder – Babysteps! Eins nach dem anderen.

Caddy-Camping

Erst einmal würden wir den Sommer genießen, das Campen im Caddy ausprobieren, Schritt für Schritt entscheiden. Aber vor allem würde ich mich freuen über das, was nun möglich ist. Den Vitara hatte ich längst in die Erinnerungen geschoben.

Seinen Ausbau jedoch, den habe ich irgendwann aus reiner Neugier in den Caddy gestellt. Und siehe da – zusammen mit der Hundebox passt er wie angegossen hinein. Mit der Matratze des Gästebetts versehen können wir mit der Übergangslösung bequem verreisen und übernachten.

Unsere ersten Touren und Übernachtungen haben wir bereits erfolgreich hinter uns gebracht.

Fast habe ich so auch unsere Anlaufschwierigkeiten vergessen. Den Marderbiß in der ersten Woche verbuchte ich noch als echtes Pech. Die plötzliche Maximaltemperatur nach wenigen Kilometern auf der Autobahn Richtung Köln mit anschließendem Abschleppdienst nagte mehr.

Auch wenn ich das Gefährt nach ein paar Tagen frisch repariert wieder zu mir holen durfte, musste er sich mein Vertrauen erst wieder verdienen.

So hat er als zuverlässiges Lasteneselchen die tollsten Kleinanzeigenverkäufe mit mir abgeholt.

Auch den Umzug hat er mit links gemeistert. Während ich mir Gedanken machte, wie viele Kisten ich wohl hinein packen und ob dieses oder jenes Möbelstück passen würde, stand er gelangweilt vorm Haus und bewies mir, was ein richtiger Minivan ist.

Zur Belohnung gab es mein Vertrauen zurück. Und eine Bodenplatte für den Lavaboden. Eine richtige, professionelle, vom Profi-Ausstatter. Ich erinnere mich nämlich noch mehr als gut daran, wie lange ich beim Vitara gebraucht habe, bis selbige endlich einigermaßen passte.

Sobald die Temperaturen wieder auf ein erträgliches Maß gestiegen sind und mein Fuß sich vom Kapselriß erholt hat, geht es dann endlich los mit dem Ausbau. Im April nämlich, da habe ich frei und hoffe schwer, dass es uns bis dahin möglich sein wird, zumindest ein paar kleine Ausflüge zu machen.

Spätestens im Mai soll er dann aber das erste Mal auf große Tour. Wir hatten tatsächlich das große Glück, Tickets fürs Caddy-Camper-Treffen zu ergattern.

Die Zwischenzeit überbrücke ich mit kleinen Spielereien.

„Mach doch mal nen Plan“ hat mich mein Papa nämlich vor kurzem dezent geschubst, weil ich mich einfach nicht zwischen zwei möglichen Layouts entscheiden kann.

Dabei gehöre ich doch eigentlich zu der Kategorie „Grundidee im Kopf, den Rest entscheiden wir, wenn es soweit ist.“ Ein Riesenprojekt erdrückt mich sofort, anstatt langsam vorwärts zu gehen, erstarre ich wie ein Kaninchen vor der To-Do-Lawine.

Der Ankleidepuppen-Ausbau jedoch hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mir durchaus vorstellen kann, noch das ein oder andere Detail hinzu zu fügen. Tatsächlich zeigt er auch schon im kleinen Modell auf, was im Kopf niemals sichtbar geworden wäre: All die kleinen Schwachstellen, die Lücken, Kanten, Ecken, Denkfehler in der Idee.

Und immer wieder auch das Problem des sicheren Hundetransports. Die ein oder andere Option gibt es schon im Hintergrund. Ob sie sich dann umsetzen lässt, wird in der Miniatur schnell klar.

Für ein Layout habe ich mich dennoch noch nicht entschieden. Im Zweifelsfall passt ja der Vitara-Ausbau – ihr wißt ja:

Nichts hält länger als ein Provisorium.

Lasst es euch gut gehen,

Kerstin mit Buddy und Amber

2 Kommentare

  • Emanuela

    WOW, Kerstin! Du kannst Gedanken und Selbstanalyse so toll und plastisch darstellen! Du nimmst die Leser so grandios mit, dass es echt ein Genuss ist, deine Beiträge zu lesen! 💙💙💙

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