Indy. Der unerwartete Beginn einer neuen Reise
In all den Monaten und all der Trauer um Buddy habe ich hier irgendwie noch gar nicht von ihm erzählt. Kurz erwähnt wurde er überall, ursprünglich dachte ich nur daran, ihn als Pflegestelle bei mir aufzunehmen.
Als sensibler Abenteurer wurde er beschrieben, der sanft und zart die Männerrolle übernehmen wird.
Zwischen Verantwortung und Bauchgefühl
Lange wartete ich auf eine Rückmeldung der Hundehilfe, war mir schließlich sicher, dass sie schon ein anderes Zuhause für den Welpen gefunden hatten.
Ich gönnte es ihm, bot einem anderen Verein einen Pflegeplatz an. Dankbar nahmen Sie an, ein junger Bretone sollte es werden. Genau einen Tag, nachdem ich zugesagt hatte, erhielt ich einen Anruf. Die Hundehilfe Toskana. Sie wollten wissen, ob ich mir vorstellen könnte, Indy voll zu übernehmen.
Ich lehnte ab, berichtete von meiner Zusage und der Situation zuhause. Wir führten ein tolles Gespräch. Ich legte auf, wünschte ihr für Indy alles Gute und – fühlte mich fürchterlich schlecht. Falsch.
Nachdem ich mich vor Freunden und Familie nicht traute, meine Gedanken auszusprechen, diskutierte ich meine Emotionen mit der KI. Gerade erst hatte ich mich doch entschieden, Pflegestelle zu sein, wieso dachte ich nun darüber nach, ausgerechnet einen Welpen aufzunehmen? Und das in einem Haushalt mit zwei Seniorhunden! Konnte ich die Zusage für den Pflegebretonen noch widerrufen? Ihn einfach hängenlassen? Die KI zauberte mir zwei Szenarien und was ich wollte, war klar, auch wenn ich nicht verstand, woher das auf einmal kam.
Eine Entscheidung und erste Momente
Schweren Herzen rief ich die andere Pflegestelle an und sagte ab. Der Hundehilfe Toskana sagte ich zu. Bangte und wartete einen ganzen Tag. Die Ansprechpartnerin jedoch war völlig gelassen: „Ich wusste es. Er sollte zu Ihnen.“

Am 05.07.2025 brach ich zusammen mit meiner besten Freundin und Ben im Schlepptau auf, den kleinen Rabauken abzuholen. Ich glaube, ich war in meinem ganzen Leben selten so emotional wie in diesem Moment, in dem ich die Hunde nach ihrer Fahrt einzeln aus dem Transport gehen und ihre neue Welt erkunden sah. Das Auto stand geschützt und die Hundehilfe Toskana ließ jedem ausreichend Abstand und Zeit, sich zu akklimatisieren, bevor der nächste geholt und vorgestellt wurde.
Als Indy kam, war ich schon so emotional, dass ich gar nicht mehr weiß, was mein erster Gedanke war. Ich weiß nur, dass er deutlich verunsicherter war, als ich es für einen Juniorabenteurer erwartet hatte und ich ihm gleich gesagt habe, dass er gut zu uns passen wird.
Seine Unsicherheit legte sich jedoch schnell und spätestens, als ich ihn im Auto in die eigens für ihn gekaufte Stoffbox setze und Ben auf seine Nähe gar keine Lust hatte, war es damit vorbei und er machte deutlich, welch lautes Organ er aus Italien mitgebracht hatte. Ben ließ sich von mir überzeugen, doch wieder etwas näher zu kommen, und so fuhren wir angenehm ruhig und entspannt nach Hause.
Endlich daheim
Vom ersten Moment an war der Mini-Abenteurer auch bei meinen großen Rabauken willkommen. Selbst die sonst eher zurückhaltende Amber begrüßte ihn herzlich und mit einer Geste, von der Buddy sein ganzes Leben lang neben ihr nur träumen konnte: Sie schleckte ihm die Ohren.
Ich bin sehr dankbar für die ersten 6 Wochen bei uns, in denen Buddy Indy ein wundervoller Opa und Lehrer war.
Verloren
Was anschließend geschah, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausmalen können: Buddy verstarb, wir verließen unser gerade neu lieb gewonnenes Paradies und ich verlor komplett den Boden unter den Füßen.
Noch heute bin ich allen Menschen um mich herum dankbar, die mich stützten, mir auf- und ein kleines bisschen weiter halfen und meinen Rabauken kleine und leichte Momente beschwerten. Für Indy hätte ich es mir anders gewünscht. Ich wäre gerne präsenter gewesen.
Buddys Tod hat mich jedoch so heftig getroffen, dass ich eine fette Mauer um mein Herz gezogen hatte. Natürlich kümmerte ich mich um Indy, natürlich trug ich die Verantwortung für ihn, wir übten, spielten, ich zeigte ihm die Welt, aber die Liebe, die Emotion für ihn, die konnte ich nicht zulassen.

Erschwerend hinzu kam noch, dass er Buddy unheimlich ähnlich sah.
Das, was mich zu Beginn zu ihm gezogen hatte, wurde nun zum ständigen Schmerz vor meinen Augen und ich erinnere mich gut an Situationen, in denen Indy mir Buddys altes Spielzeug brachte, ich es ihm warf, immer und immer wieder, während gleichzeitig die Tränen meine Wangen herunter liefen.
Mauern niederreißen
Eines Morgens jedoch veränderte sich alles. Es wurde gerade hell, als ich jemanden neben mich ins Bett klettern spürte. Er trug ein Spielzeug im Maul und rollte sich neben mir ein.
Es sind ja oft die kleinen Momente, und genau hier merkte ich, wie die Mauer brach und ich von meinen Gefühlen wahrhaft durchströmt wurde.
Wie viel schöner fühlt es sich an, wenn die Beziehung zueinander wieder auf Gegenseitigkeit beruht und die Nähe wieder glücklich macht. In den letzten Wochen wachsen wir weiter und weiter zusammen.
Wild thing
So viel wie Indy hat noch nie ein Hund in meinem Leben zerstört.
Das will etwas heißen, denn erstens hatte ich zwei Labradore in meinem Leben und zweitens war ich bei Indy die meiste Zeit höchstens in einem anderen Raum oder nur wenige Meter entfernt.
Noch heute fasziniert mich, wie man zwischen meiner kurzen Trage-Ausflüge zum Auto jede einzelne Ecke der Umzugskisten ankauen oder während der Fahrt direkt hinter mir die Matratze meines Mini-Campers komplett zerstören kann, ohne dass ich es auch nur merke. Auch die Hundebetreuung kann ein Lied davon singen – noch heute sorry für die geschredderte Couch!
Bereits zwei Mal bin ich schlimm gestürzt, weil er in der Begeisterung über den Vollgalopp vergessen hat, dass ich als nerviges Bremsstück am anderen Ende der gar nicht mal so langen Schleppleine hänge.
You make my heart sing
Aber irgendwie passt es ins Muster. Irgendwie sind es genau die Wilden, die mein Herz erobern, die, die auch mal laut und anders sind, die Welt um sich herum vergessen und manchmal einfach nicht mehr wahrnehmen, was um sie herum passiert.
Es wäre mir fast zu langweilig gewesen, wenn Indy solche Verhaltensweisen nicht an den Tag gelegt hätte.
Von Angst und Abstand
Ein Päckchen, mit dem ich allerdings so gar nicht gerechnet hätte, und welches mich heute tagtäglich vor Herausforderungen stellt und mein Dauerthema „Grenzen setzen“ noch einmal in ein ganz anderes Licht rückt, ist seine Angst. Seine Angst vor Menschen, vor allem Gruppen, sein plötzliches Erschrecken vor Dingen, die ich nicht einmal mehr wahrnehme.
Bei seiner Kraft ist es nicht leicht, ihn zu halten, wenn er plötzlich und unerwartet die Flucht ergreift auf einer Strecke, die wir täglich laufen, nur weil der abgestellte Wohnwagen nun ein Cover hat.
Noch weniger leicht ist es jedoch, ständig sämtliche „lass mich mal, ich mach das“-Menschen von uns abzuhalten, die einfach nicht verstehen wollen, dass er nicht direkt angefasst werden möchte von Fremden und dann auch kein Schnippsen, Schnalzen oder sonstiges Geräusch hier hilft.
Wie oft bitte ich darum, ihn, wenn man ihn schon unbedingt kennenlernen möchte, erst einmal herankommen zu lassen und SONST NICHTS. Unter Garantie weiß ich mittlerweile, dass es wohl einen magischen Magnet in seinem Körper geben muss, der Menschen dazu bewegt, ausgerechnet ihn berühren zu müssen, während der schwarz-weiße Setter, der neben ihm alles für eine Berührung geben würde, brüsk davon geschickt wird.
Angst bei Hunden macht etwas mit dem Ego der „Alphatiere“ ist meine Vermutung. Gut, dass ich da bin und damit auch klar, wer da natürlich Schuld dran hat.
Wir wachsen zusammen
Realistisch üben wir Kooperation, erkunden gemeinsam und in seinem Tempo, ich belohne ihn für Kontakt zu mir, wenn Menschen gruselig sind und so haben wir schon die ein oder andere Situation erfahren, gemeistert und ein kleines bisschen mehr Selbstbewusstsein gebaut.
Mögest du auf unserem Roadtrip noch so viel mehr davon erhalten, mögest du sehen, wie schön die Welt ist und was sie zu bieten hat und möge unser Vertrauen ins unermessliche Wachsen.

Danke, mein Goldjunge. Danke, dass du da bist.
I thank my lucky stars for you!
Lasst es euch gut gehen,
Kerstin mit Amber, Indy und Ben