Unterm Sternenzelt oder Dog Trekking deluxe in der Eifel

Unterm Sternenzelt oder Dog Trekking deluxe in der Eifel

„Hey Mädels, hat jemand von Euch Zeit und Lust, vom 19. bis 21. August eine kleine Mehrtagestour in der Eifel zu gehen?“

Naturtrekkingplätze in der Eifel? Ganz für uns alleine? Natürlich hatten wir Lust! Eine Auszeit konnten wir wirklich gebrauchen. Wie gut, dass uns Zissi von Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben sowieso gefragt hatte, ob wir zusammen wandern gehen wollten. Da kam der Aufruf in der Facebook-Gruppe gerade recht. Schnell hatten wir die beiden kontaktiert und ihnen die Mehrtagestour schmackhaft gemacht.

Vorbereitung

Glücklicherweise. Denn auch wenn ein Dog Trekking auf meiner Wunschliste sehr weit oben stand, war ich blutiger Anfänger. Natürlich, wir lieben das Wandern und sind fast jedes Wochenende unterwegs, bisher jedoch nicht auf solchen Strecken. Viel Zeit zur Vorbereitung gab es nicht. Die Mehrtagestour wurde montags zur Übernahme angeboten, da Julia, die sie eigentlich für sich geplant hatte, sie nicht antreten konnte. Samstags sollte ich mich schon auf den Weg zu Zissi zum Canicross-Vortreffen machen und sonntags schließlich die Tour beginnen. Ich besaß weder einen Trekkingrucksack noch ausreichend leichtes Outdoorequipment, um einen solchen zu füllen. Glücklicherweise gibt es in meinem Umfeld haufenweise outdooraffine Bekannte, die mir mit einem Rucksack aushelfen konnten. Eine Packliste wurde erstellt, von einem Profi gegengecheckt und in der Mittagspause beim Ausstatter unseres Vertrauens die noch fehlenden Puzzleteile erstanden. Zissi erarbeitete in der Zwischenzeit die Route für uns.

Fühlte ich mich so eigentlich gut vorbereitet, stellte sich beim Packen leider heraus, dass ich mit den bereits schon reduziert geplanten Teilen weit über dem von mir tragbaren Gewicht lag. Zusätzlich ging mir beim Ausprobieren der verschiedenen Schnallen und Fächer einer der Reißverschlüsse kaputt – großes Drama! Ich sah den Trip schon platzen. Glücklicherweise hatte die eigentliche Besitzerin des Rucksacks hier noch eine Idee für mich, so dass ich letztendlich beschloss, mich mit dem überfüllten Ersatzuhause für die nächsten Tage auf den Weg zu Zissi zu machen und den Inhalt von ihren kritischen Augen überprüfen zu lassen.

Less is more

Bis auf ein paar Kleinigkeiten war das Zelt vom Discounter das im wahrsten Sinne des Wortes größte und gleichzeitig auch schwerste Problem. Meinen molligen Schlafsack hatte ich schon gegen das kleinere und leichtere Modell des Nachbarn getauscht. Wir entschieden uns also, eine der zwei gepackten Isomatten auszupacken und die Heimeligkeit unseres Zeltes gegen Sternenhimmel einzutauschen.

Kurz kamen Zweifel an unserer Entscheidung auf, als wir unser Auto sicher geparkt, die Hunde vorbereitet und Rucksäcke aufgesetzt hatten und die ersten Meter mit Stirnlampen durch den dunklen Wald stiefelten. Alleine hätten wir uns das wahrscheinlich nicht getraut, zusammen und mit den Hunden wich die Angst jedoch nach wenigen Metern der Vorfreude.

Unseren ersten Platz „Land in Sicht“ hatten wir dank der Wegbeschreibung von Trekking Eifel schnell gefunden. Ruckzuck war das Lager aufgeschlagen, die Hunde wurden gefüttert und wir machten es uns bequem. Die Leinen der Hunde befestigten wir zur Sicherheit an den auf der Plattform angebrachten Zelthaken, allerdings zeigte sich schnell, dass dies gar nicht nötig war: Alle drei kuschelten sich einfach nah an uns und wir genossen den sternklaren Himmel. Amber und Rosa waren schnell eingeschlafen, nur Buddy übernahm in der ersten Nacht den Wachposten für seine Mädels und schlief kaum. Zuerst machte ich mir deshalb ein wenig Sorgen, war ich doch sowieso nicht sicher, ob die geplante Strecke nicht viel zu lange für ihn sein würde. Zissi und ich hatten jedoch verabredet, dass wir selbstverständlich sofort abbrechen würden, sobald er irgendwelche Anzeichen der Überforderung zeigen würde.

Wie so häufig belehrte er mich jedoch eines besseren. Meine Sorgen waren völlig unbegründet.

Der erste Tag

Den ersten Wandertag starteten wir mit einem herrlichen Frühstück auf dem Morsbacher Hof. Hier zeigte sich schon deutlich, dass ich bei Zissi die Luxusversion des Dog Trekking gebucht hatte – wir genossen frischen Kaffee, Brötchen und Orangensaft und konnten sogar noch ein wenig im liebevoll ausgewählten Sortiment des Hofladens stöbern. Bevor wir weiter zogen, füllten wir noch die Trinkflaschen der Hunde mit Wasser auf und machten uns dann auf den Weg für die nächste Etappe. Die Wanderstrecke war einfach herrlich. Wir fühlten uns abwechselnd an alle möglichen Orte dieser Welt versetzt. Manchmal erinnerte die Landschaft uns an Dänemark, ein andermal fühlten wir uns wie in Afrika und erwarteten hinter jedem Busch einen Löwen, dann wieder wähnten wir uns im Indian Summer oder in Kanada. Die Hunde waren voll und ganz zufrieden und Amber überraschte mich mit konstantem Zug über sämtliche Kilometer. Offensichtlich fühlte sie sich motiviert durch eine hochkonzentriert arbeitende Rosa.

Foto von Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben. Danke!

Wir haben ein Problem

Nach knappen 12 Kilometern machte ein Problem auf sich aufmerksam, welches ich bis dahin versucht hatte, zu verdrängen: Ich hatte in der Eile beim Umpacken meiner Schuhe vergessen, die Einlagen in meine Wanderschuhe zu packen. Ja, lacht ruhig. Hatte ich erwähnt, dass ich blutiger Anfänger bin? Die letzten Kilometer war ich komplett ohne Einlegesohle gewandert, immer in der Hoffnung, in unser ersten großen Pause einen Laden zu finden, der mir aushelfen konnte. In Einruhr angekommen, mussten wir jedoch leider feststellen, dass es weder eine Apotheke, noch einen Drogeriemarkt, Schuhladen oder ähnliches gab. Wir entschlossen uns, erst einmal im Eifelhaus einzukehren. Zissi fragte die Kellnerin dort um Rat. Leider gab es auf unserer vorgesehenen Route tatsächlich keinen der erwähnten Läden. Sie hatte jedoch eine Idee und griff zum Telefon. Ihre Mutter war zum Einkaufen in der Stadt. Sie bat sie, der armen Anfängerin ein paar Einlegesohlen mitzubringen. Die guten. Gelsohlen. Wir waren sprachlos und ich unglaublich dankbar. Nicht nur das Abendessen war dank einer zweiten Pizza für den Weg gerettet, auch meine Füße sollten den Rest des Weges auf Luxussohlen fortsetzen.

Foto von Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben. Danke!

Entkräftet

Der weitere Weg führte uns entlang des wunderschönen Rursees zur Urfttalsperre. Ein gefühlt nicht enden wollender steiler Anstieg raubte mir die letzten Kräfte. Die Kilometer in und durch die Geisterstadt Wollseifen lief ich wie in Trance und auch Zissis Aufmunterungsversuche kamen nicht mehr bei mir an. Beide Hunde ließ ich frei laufen, um sie nicht auszubremsen. Gerne hätte ich noch ein wenig ihrer Energie gehabt. Stattdessen taten mir Knie, Waden, Füße und auch die Tragestellen des Rucksacks weh. Dennoch schaffte ich es irgendwie, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Im Nachhinein eine interessante Erfahrung, ich glaube, so erschöpft war ich noch nie zuvor.

Endlich am zweiten Platz „Nordstern“ angekommen, zog ich nur noch die Schuhe aus und legte mich auf die Holzplattform. Ich konnte mir nicht vorstellen, jemals wieder Wanderschuhe zu tragen, geschweige denn, jemals wieder einen Schritt zu gehen. Während Zissi sich netterweise auf den Weg gemacht hatte, Wasser für die Rabauken zu organisieren, hatten sich meine Füße jedoch schon wieder soweit beruhigt, dass ich zumindest das Lager aufschlagen und ein paar Dehnübungen machen konnte. Gemeinsam ließen wir uns noch einen Teil der mitgebrachten Pizza schmecken und träumten von eisgekühlter Limo.

Der Platz Nordstern liegt ein wenig offener zu allen Seiten, so dass die zweite Nacht für mich deutlich unruhiger wurde. Unser Ratespiel „was siehst du in dem Baum“ trug sicherlich nicht zu unserer Beruhigung bei. Die Geisterstadt in Kombination mit dem thronenden Baumengel über uns waren einfach zu viel für meine Fantasie. Trotz der zurückgelegten 26 Kilometer wachte ich mehrmals auf. Außerdem spürte ich meine Knie, Waden, den Nacken. Dafür schnarchte Buddy in dieser Nacht glückselig zwischen uns beiden.

Tag zwei

Früh am Morgen schlief ich dann doch noch ein, so dass wir erst relativ spät zum zweiten Teil der Tour aufbrachen. Am Vorabend hatte Zissi in Erfahrung gebracht, dass Vogelsang ein kleines Café beherbergt, welches uns Frühstück servieren würde. Das tatsächliche Café sprengte unsere kühnsten Erwartungen. Auf der Terrasse von Vogelsang IP, der ehemaligen NS-Ordensburg, die nun als Platz für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander gilt, durften wir bei herrlichem Ausblick auf den Nationalpark ein leckeres und unschlagbar günstiges Frühstück genießen. Wir ließen uns Zeit und die Seele baumeln.

Foto von Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben. Danke!

Mit aufgefüllten Wasservorräten machten wir uns schließlich weiter auf die Wanderroute. Diesmal verging die Zeit wie im Flug. An unserem ersten geplanten Stopp wollten wir zuerst gar nicht halten. Da wir jedoch noch Zeit hatten, überlegten wir, auf eine Cola einzukehren. Zu früh gefreut – das Restaurant hatte gar nicht offen. Also ging es weiter nach Gemünd, wo wir uns im örtlichen Supermarkt mit dem ersehnten Kaltgetränk für den Abend eindeckten. Fürs Abendessen erklommen wir einen steilen Berg in praller Sonne und Hitze. Leider blieb das Glück unten im Ort – auch dieses Restaurant war geschlossen, obwohl diverse Apps es als offen angepriesen hatten. Zum Kräfte tanken entschieden wir uns für einen spontanen Snack vor verschlossener Tür, teilten uns die Reste der Pizza und gingen der Cola an den Kragen.

Ein zweiter Halt beim Supermarkt versorgte uns mit alternativem Abendessen bevor wir uns über Teile des Eifelsteigs zurück auf den Weg zum ersten Platz machten. Die letzten zwei Kilometer schwanden Buddys Kräfte, so dass wir unser Tempo drosselten und die beiden Zugprinzessinnen aus ihren Zuggeschirren nahmen. Ich glaube, keiner von uns war ihm so richtig böse über diesen entspannten Rückweg. Wir genossen noch einmal die Aussicht auf Stoppelfelder und Windräder, bevor wir ein letztes Mal unser Lager unterm Sternenhimmel aufschlugen.

Diese Nacht war deutlich kälter und damit auch deutlich kürzer. So hatten wir jedoch noch Gelegenheit, einen herrlichen Sonnenaufgang zu genießen, bevor wir uns langsam über ein weiteres Stück des Eifelpfades auf den Weg zurück zum Auto machten. Um dieses herrliche Erlebnis noch gebührend ausklingen zu lassen, hielten wir auf dem Heimweg noch beim Bäcker und ließen uns ein weiteres leckeres Frühstück schmecken.

Fazit

Alles in allem eine perfekt geplante Tour, auf der es an nichts gefehlt hat. Danke von ganzem Herzen, liebe Zissi, für die Erfüllung eines Traumes, für eine wunderbare Zeit zusammen, für Denkanstöße, Spaß, die Einführung der Kategorie Dog Glekking (die Trekking-Version von Glamping, Glamour Camping) und die beste Story überhaupt. Ich bin mir sicher, wir werden alle noch lange davon zehren und freue mich sehr auf die nächste Tour.

Euch Lesern kann ich das Erlebnis nur wärmstens empfehlen. Die Route hat Zissi zum Nachwandern bei Komoot veröffentlicht. Fragen? Immer gerne her damit!

Lasst es euch gut gehen!

Sie

8 Gedanken zu „Unterm Sternenzelt oder Dog Trekking deluxe in der Eifel

  1. Du lebst meinen Traum. Zu gerne würde ich so etwas auch mal machen. Und hätte weder Kondition noch Ausrüstung. Deine Anfängerfehler würde ich wahrscheinlich verdoppeln, ach was, verdreifachen. 😁
    Aber ich reise gerne digital mit und freue mich auf eure nächsten Abenteuer.
    Herzliche Grüße
    Stephie

    1. Ohne die tatkräftige Hilfe von Rucksackbesitzerin, Reisebegleitung und Profi wären da bei mir auch noch einige weitere Fehler passiert. So war es aber einfach nur toll! Wir werden bestimmt noch weitere Touren unternehmen, vor allem jetzt, wo ich sicher sein kann, dass Buddy locker mithält. Das macht mich ganz glücklich. Ebenfalls herzliche Grüße und bis bald! Kerstin

  2. Das war ja ein echtes Abenteuer! Und dass ihr völlig im Freien übernachtet habt, Respekt! Ich hätte da noch eine Frage: Was genau ist eigentlich Dog-Trekking? Lasst ihr euch die ganze Zeit von den Hunden ziehen? Also ich meine, habt ihr da eher so Jogging- bzw. Lauftempo drauf? Oder ist das Wandern mit Hund und die Hunde laufen in diesem speziellen Geschirr vorneweg? Ich frag jetzt einfach mal, auch wenn ich mich als völlig Unwissende oute 😉 Liebe Grüße von Andrea

    1. Um Gottes Willen – Lauftempo hätte ich mit dem Rucksackgewicht nicht mehr hinbekommen. Im Prinzip ist es Wandern mit Hund, die Hunde laufen im Geschirr und ziehen, man ist also schon schneller als normal, bleibt aber noch im Wandertempo. Soweit ich weiß, gilt es erst ab einer gewissen Kilometerzahl offiziell als Dog Trekking (ich glaube 80 km), aber für mich gilt es auch jetzt schon. An offiziellen Veranstaltungen haben wir noch nicht teilgenommen, da ist man dann mit Karte und Kompass auf Zeit unterwegs. Da Buddy aber nicht ziehen kann und ich das gerne mit beiden erleben wollte, werden wir wohl auf solche Wettbewerbe auch vorerst nicht gehen. Soweit ich weiß, gibt es bei euch im Harz auch eines. Schau mal unter Dog Trekking Harz, vielleicht ist das was für euch. Ansonsten kommt ihr beim nächsten Mal einfach mit. 🙂 Liebe Grüße, Kerstin mit Buddy und Amber

  3. Hut ab vor eurem Abenteuer! Ich habe die Berichte auch auf Facebook sehr interessiert gelesen. Aus Interesse habe ich aber ein paar Fragen zu den Hunden.
    Wie war die Übernachtung für die Hunde? Haben sie geschlafen oder lagen sie die Nächte wach und haben auf Geräusche aus der Umgebung gelauscht? Und wie habt ihr die Hunde nachts gesichert?
    Fragen über Fragen…

    1. Danke schön! In der ersten Nacht lag Buddy wach und hat gelauscht, während die anderen beiden geschlafen haben. Da hatte ich mir erst ein wenig Gedanken gemacht, ob er sich auch erholt. In den anderen beiden Nächten haben aber alle tief und fest geschlafen.
      Gesichert haben wir sie an den an der Plattform angebrachten Zelthaken. Die gab es einmal außen und einmal in der Mitte der Plattform, da der Platz für zwei Zelte vorgesehen ist. Wir haben die Leinen in der Mitte eingehakt. Wahrscheinlich wäre dies gar nicht nötig gewesen, keiner der Hunde ist aufgesprungen oder wollte die Plattform verlassen, solange wir dort geschlafen haben. Dennoch würde ich sie immer sichern – man weiß nie, was kommt. Viele Grüße von uns!

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