Brenne für das, was du tust oder ein Interview mit den Machern des Freehander’s Bag

Brenne für das, was du tust oder ein Interview mit den Machern des Freehander’s Bag

Auf der Doglive in Münster stolperte ich im Start-up Bereich über den Stand von Dog Solution. In Reih und Glied waren dort Rucksäcke in den verschiedensten Farben aufgehängt, mit oder ohne Decke, versehen mit der Silhouette eines Labradors. Schon war es um mich geschehen. Ich schaute mir die Taschen genauer an. Die Form ähnlich der eines Ankers, oben mit Druckknöpfen zu schließen, links und rechts offen, um schnell hineingreifen zu können. Die wertvollen Dinge sicher unterzubringen in einem separat mit Klett verschlossenem Fach. Sollte dies die Lösung für mein Kamera-Problem sein?

Um möglichst viele schöne Aufnahmen von meinen Rabauken schießen zu können, habe ich bei Spaziergängen fast immer die Spiegelreflexkamera  dabei. Sind Hunde und ich alleine unterwegs, kommt es häufig zum Konflikt zwischen Leine und Fotoapparat. Die ganze Zeit in der Hand tragen fällt aus. Jedesmal aus dem Rucksack holen für ein schönes Foto führt meistens dazu, dass diese am Ende doch mit dem Handy geschossen werden. Die Tasche von Dog Solution versprach nun, mein Problem zu lösen, da ich jederzeit – ohne selbige auszuziehen – auf die Kamera zugreifen, diese jedoch nicht herausfallen kann. Ich stellte viele Fragen. Traf auf eine Erfinderin, der die Begeisterung und Überzeugung für ihr Produkt ins Gesicht geschrieben stand. Ihre offene, herzliche Art begeisterte mich direkt.

Die Tasche wurde gekauft und ein Foto in der MiDoggy Community geteilt. Vielleicht könnten auch andere Blogger damit etwas anfangen. Nach dem ersten Feedback schickte ich Lola, der Erfinderin des sogenannten Freehander’s Bag, eine Nachricht. Wir verabredeten uns zu einem Telefonat und in mir wuchs eine neue Idee: Ich wollte mehr erfahren über die Person dahinter, über ihren Werdegang und die zündende Idee zum Produkt. Daher lud ich mich ein zu einem Interview. Und starte damit gleich eine neue Serie hier auf dem Blog.

Darf ich euch meine Gesprächspartner vorstellen? Das sind Lola Henrichs, Physiotherapeutin und nach Martin Rütter ausgebildeter D.O.G.S Coach, und ihre Schwester Heidi Bäunker, Betriebswirtin und passionierte Hobbyschneiderin.

Wir treffen uns zum Kaffee in der Kreativwerkstatt der Beiden. Zuerst frage ich, wie sie eigentlich zum Hund gekommen sind. Lola erzählt mir, dass sie sich bereits als Kind einen Hund gewünscht hat. Damals hatten sie jedoch nur kleine Haustiere. Obwohl der Wunsch nach dem eigenen Hund immer da war, kam es nie dazu. Nach dem zweiten Kind war er jedoch präsent wie nie zuvor und auch wenn der Ehemann zuerst dagegen war, entschieden die beiden schließlich, dass ein Rabauke einziehen darf, wenn klar ist, dass es ausschließlich Lola’s Hobby sein würde. Sie surfte sich durch die verschiedensten Tierschutzportale bis sie schließlich über das Bild der 10 Wochen alten Sunny stolperte. Eine Verabredung mit der Pflegefamilie, eine Vorkontrolle, und nachdem der Zwerg sich mit geschickt auf dem Knie des Ehemanns platzierter Pfote auch in sein Herz geschlichen hatte, zog sie bei der Familie ein.

In der Pubertät begannen die Schwierigkeiten mit der Ungarin. Sie attackierte andere Hunde, zum Teil schnappte sie sogar zuhause nach Besuch. Nach wenig hilfreichen Tipps anderer Hundehalter machte sich die mit der Situation überforderte Lola auf der Suche nach einem Hundetrainer. Die Suche blieb erfolglos, so dass sie irgendwann den damals noch bei „Eine Couch für alle Felle“ zu sehenden Martin Rütter googlete und sich zu einem Erstgespräch auf den Weg in die Eifel machte. Zweieinhalb Jahre trainierte sie dort zusammen mit ihrer Hündin, freundete sich mit der Trainerin an und so dauerte es nicht mehr lang, bis die Frage im Raum stand, ob sie nicht Interesse an der entsprechenden Ausbildung hätte.

Gesagt, getan. Nach erfolgreichem Abschluss zum D.O.G.S Coach arbeitete sie eine Weile zusammen mit der befreundeten Trainerin bis sie schließlich Dog Solution gründete. Noch bei ihrem Abschlussgrillen hatte Martin Rütter in die Runde geworfen, dass er sich wunderte, warum noch nie einer seiner Trainer etwas sinnvolles erfunden hätte.

Heidi liebte Hunde ebenfalls von Kindesbeinen an, war jedoch zuerst begeisterte Reiterin. Durch ihre Schwester lernte sie fast zwangsläufig alles rund um den Hund. Nachdem sie die Reiterei an den Nagel gehängt hatte, durften zwei Cavalier King Charles bei ihr einziehen. Eines ihrer größten Hobbies ist das Nähen. Mit einer Schneidermeisterin als Oma, die ihr Talent und ihre Begeisterung in die Familie weiter gegeben hat, gehört die Nähmaschine schon seit vielen vielen Jahren zu ihrer Grundausstattung. Zuerst nähte sie Kinderkleidung, später entwarf sie Schnittmuster, sie nähte den Prototyp des Freehander’s Bag und noch heute näht sie selbst die wunderbar kreativen Rucksäcke.

Wie kam nun die Idee zustande? Das Problem von zuviel Zubehör und zu wenig Hand beim Hundespaziergang kennt wohl jeder Halter. Dummy, Handy, Leckerli, Kotbeutel, Pfeife, Leine, Schleppleine etc. wollen untergebracht werden. Zuerst experimentierte Lola mit allen möglichen Arten von Taschen. Keine jedoch erwies sich als perfekt geeignet oder nicht auf irgendeine Art und Weise störend. Sie bestellte eine Dummyweste. Praktisch? Vielleicht. In khakigrün und Universalschnitt jedoch alles andere als bequem, geschweige denn hübsch. Irgendwie noch nicht das Ideale. Sie beriet sich mit ihrer Schwester, erzählte ihr von dem unförmigen Teil und ihren Wünschen. Skizzierte etwas auf ein Blatt Papier. Eine Art Rucksack gepaart mit den Eigenschaften der Dummyweste – das wärs!

Während Lola sich im Urlaub erholte, setzte sich Heidi ans Schnittmuster. Sie nähte einen Prototyp. Gemeinsam probierten sie den auf verschiedenen Spaziergängen aus. Wurden da bereits von anderen Hundebesitzern angesprochen. 2014 meldeten sie schließlich das Gewerbe, 2015 das Patent auf den Freehander’s Bag an.

Heute gibt es eine Standardkollektion mit und ohne Decke sowie verschiedene Sondereditionen mit unterschiedlichen Mustern und verschiedenen Stoffen. Alles wird von den beiden noch selbst produziert und wenn sie weiter wachsen und einen Teil der Produktion auslagern müssen, wünschen sie sich, dass die auf jeden Fall in der EU bleibt. Faire Arbeitsbedingungen und eine gute Qualität sind den beiden wichtig. Auch heute bieten sie den Kunden einen Nachbesserungs- oder Reparaturservice an, falls sich doch einmal eine Naht auflösen sollte. Bisher sei das jedoch noch nicht vorgekommen.

Wer die Mädels treffen oder sich den Freehander’s Bag einmal selbst anschauen möchte, kann Lola und Heidi vom 11. – 13. Mai auf der Hund und Katz in Dortmund besuchen.

Wir danken den Beiden für die Zeit und ihre Geschichte und wünschen euch von Herzen weiterhin viel Erfolg mit eurem Produkt. Behaltet euch die Begeisterung und Kreativität und bleibt, wie ihr seid! Macht die Welt ein wenig schöner!

2 Gedanken zu „Brenne für das, was du tust oder ein Interview mit den Machern des Freehander’s Bag

  1. Ich erinnere mich gut an den Stand in Münster und weiß auch noch, dass wir erst gar nicht wussten, wie die Rücksäcke zu nutzen sind. Mein Mann behauptete sehr lange, dass man seinen Hund damit transportieren kann.

    Ich wünsche den beiden Unternehmerinnen ganz viel Erfolg mit ihrem Produkt.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    1. Diese Vermutung wurde wohl öfter am Stand geäußert, das haben mir die Beiden nämlich auch erzählt :-). Wir werden eure Wünsche ausrichten. Liebe Grüße von uns an euch. Kerstin mit Buddy und Amber

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